Person

Frau Gehlhaar hat einen Rollstuhl und wer ihr zuhört, der kann viel lernen. Der kann zum Beispiel lernen, dass Inklusion vielleicht in aller Munde sein mag, dass es mit der Praxis aber nicht immer weit gediehen ist.

Mit einer sehr klaren Haltung und Beharrlichkeit, mit Gefühl und entwaffnender Selbstironie wird man in diesem Blog an die Hand genommen.

Als ich den Text “Herzensbruch” zum ersten Mal in Laura Gehlhaars Blog las, kamen mir die Tränen. Er ist der vielleicht eindrücklichste Text hier, denn er zeigt genau jene Gefühle, Ängste und Schmerzen, die wir alle in Zeiten von Liebeskummer kennen und fühlen. Laura Gehlhaar fühlt, denkt und liebt wie du und ich. That is all the news!

Naja fast, denn noch einen drauf setzte sie mit „Meine Behinderung, der Arschlochfilter“, in dem sie noch einmal in Ruhe und gleichzeitig bestimmt und klar erklärt:

Kein Mann, der nicht offen für Perspektivwechsel, kreativ und geerdet ist, der Vielfalt erkennt und sie zu schätzen weiß, hätte das Selbstbewusstsein, mich an seiner Seite zu haben. Und das liegt nicht primär an meiner Behinderung, sondern weil ich die Laura bin. Ich urteile streng und manchmal zu hart.“

Laura Gehlhaar ist 1983 in Düsseldorf geboren und hat Sozialpädagogik und Psychologie in Holland studiert. 2008 kam sie für die Liebe und einen Job in der Gerontopsychiatrie nach Berlin. 2014 absolvierte sie eine Mediations- und Coachingausbildung (univ.) und arbeitet heute als Autorin und Coach. Sie hält Vorträge über Inklusion und Barrierefreiheit und schreibt in ihrem Blog Frau Gehlhaar über das Großstadtleben und das Rollstuhlfahren.
Im September 2016 erschien ihr erstes Buch „Kann man da noch was machen?“ beim Heyne Verlag.

 

Laura Gehlhaar was born in Düsseldorf, Germany in 1983. Studies of social work and psychology brought her to the Netherlands, before moving to Berlin in 2008, following her heart and a job at a psychriatic ward. Since completing a training for mediation and coaching in 2014, she works both as coach and author. Besides writing about life both in the city and in the wheelchair, she speaks publicly about inclusion and accessibility. Her first book „Kann man da noch was machen?“ was published by Heyne in september 2016.

 

20 Gedanken zu „Person

  1. Frau Gehlharr ich habe Sie bei hallo Deutschland gesehen! Ich bin nicht behindert und ich finde Sie sind eine sehr tolle Frau viele liebe Grüß aus Erfurt Andreas Sarosi 44 Jahre alt!

  2. Habe soeben den Fernsehbericht gesehen. Mein bester Freund sitzt nach einem Unfall auch im Rollstuhl. Ich kenne die Probleme. Kopf hoch. Bleibe stark. Auch wenn es nicht immer einfach ist.

  3. Danke, danke für so einen ehrlichen Blog.
    Ich habe wahrlich das Gefühl, du würdest über mich und mein Leben schreiben. Unsere Charaktere unterscheiden sich aber sonst sind wir uns so ähnlich.
    Danke dafür. Ich weiß nicht ob ich unser Leben so in Worte fassen könnte. Ich freue mich noch viel mehr darüber zu lesen.

  4. Liebe Laura Gelhaar
    ein wunderbarer Blog – ich muss immer wieder schmunzeln, auch hin und wieder nachdenken und bin einfach beieindruckt von Ihrer Persönlichkeit und – muss ich zugeben – Schönheit. Aber das darf doch auch mal gesagt werden so von Frau zu Frau 🙂
    Herzliche Grüße und weiter so. Bleiben Sie fröhlich und ganz oft ganz glücklich
    Kristoscha (ohne Rolli, falls das jemand interessiert)

  5. Hey Laura, ich bin beim Surfen und der Suche nach Blogs von Rollstuhlfahrern auf deine Seite gefunden. Ich bin selbst auch Rollstuhlfahrer und muss sagen du hast echt nen tollen Blog. Ich bin seit kurzem auch als Blogger unterwegs (http://keep-rollin.de/). Vielleicht hast du ja einmal lust und schaust auch bei mir einmal vorbei 🙂 Bis dahin weiterhin viel Spaß beim bloggen 🙂

  6. Dein Blog macht mir Mut mich nicht von den Oberflächigkeiten und Hindernissen zermürben zu lassen, die ich spüre, seit man beginnt mir meine Krankheit anzusehen.
    Danke!

  7. Liebe Laura
    Ich bin von Geburt an spastisch Gehbehindert, Mit meinen Komplexen und den vielen Abweisungen von Freundinnen – gute Freunde sein genügt – hat sich mein Lebenstraum unerwartet doch noch erfüllt. Nach zwei Jahren Freundschaft wollte mich ein wunderbare Frau heiraten. Sie 43j. und 4 Jahre verwitwet, sehr attraktiv und sportlich, aber mit sehr konservativen Vorstellungen. Ich 42j, attraktiv, guter Gesprächspartner und mit grossem Tatendrang. Meine Frau hatte sehr viel Verständnis für die Behinderung und sah mich meist nicht als Behinderter. Leider konnte sie ihre Vorstellungen von Sex nicht meinen Möglichkeiten anpassen – sie war 18 Jahre verheiratet, als ihr Mann ums Leben kam – und war nicht zu begeistern nach Möglichkeiten zu suchen. Wir hatten es trotz dem Mangel 25 Jahre wunderschön. Die letzten 5 Jahre waren leider vom Krebs geprägt. Wenn es auch schwere Jahre waren, haben sie uns viel gegeben. – Wenn ich Deinen Blogg vor 25 Jahren oder auch nur vor einigen Jahren hätte lesen können, so hätte ich mich sicher mehr angestrengt, dass wir eine erfüllte Sexualität hätten finden können. Das macht mich sehr traurig. – Was uns zusammengehalten und zum Teil erfüllt hat, war unser tiefer Glaube. Aber der ersetzt bekanntlich die Sexualität nicht. Ende des vergangenen Jahres ist meine Frau mit 69 Jahren verstorben. – Bitte schreibe noch mehr; es könnte vielen das Leben „retten“. – Vielen, vielen Dank und von Herzen alles Liebe und Gute, Dominique

    • Lieber Dominique, in dem Blog der von mir sehr geschätzten Frau Gelhaar gelandet, habe ich Deine Zeilen gelesen. Diese haben mich nochmal daran bestätigt, mein Leben heute und so intensiv wie möglich zu leben. Dazu gehört auch der Mut, zur eigenen Sexualität und der der Partnerin zu stehen, und gemeinsam zu wagen. Danke für Deine Zeilen, und von Herzen alles, alles gute für Dich.

  8. Liebe Laura, wie toll, dass ich zufällig auf deinem Blog gelandet bin! Ja, ich bin eigentlich eine Nagellacktante… Und ich habe heuer einen Rollifahrer geheiratet. Unglaublich, wie viele Erlebnisse mir in deinen Berichten bekannt vorkommen 🙂 Ich LIEBE dein Rolli-Bingo, ich konnte im Namen meines Mannes (der übrigens Multiple Sklerose hat) schon 2 Reihen komplett abhaken. Besonders liebe ich die Frage „ist das deine Betreuerin“… Also ich folge dir jetzt mal und freue mich schon, wieder von dir zu lesen. Alles Gute, Doris

    • wunderbar. auch ich werde immer mal weider herkommen! Hier kriege ich Informationen, wie man die Welt auch sehen kann. Und wie sehr ist sie, diese Welt, eine andere, je nach Perspektive!

  9. Hallo Frau Gehlhaar

    Ich nahm mir die Freiheit Sie inkusive Ihres Blog in meiner Blogroll zu inklusieren. 😉 Jetzt platzt sie fast aus allen Nähten, meine Blogroll

    Lieben Gruß alivenkickn

  10. Hallo Laura.
    Ich hoffe ich darf „Du“ sagen. Was im Bericht der Süddeutschen steht ist echt toll. Das wären wahrscheinlich genau meine Worte gewesen.
    Ich hab gelesen, dass du ein in Holland und Berlin studiert hast? Heißt das, du hast ein Auslandssemester gemacht? Ich stell mir das nämlich extrem schwierig vor. Von den Kosten her mein ich. Weil man braucht ja auch Assistenz etc. Hast du irgendwelche Tipps? Falls du das gemacht hast meine ich.
    LG lauraimrolli 🙂

    • Liebe Laura, schön, von dir zu lesen. Ich habe in den Niederlanden fünf Jahre gelebt und bin dann nach Berlin gezogen. Aber was bestimmte Hilfsangebote bzgl. deiner Behinderung angeht, ist die Niederlande echt fit.
      Ganz liebe Grüße, Laura

  11. Liebe Laura,
    gerade eben habe ich Ihren Blog entdeckt und stelle viele Parallelen zu meinem Leben fest. Auch ich hatte im Gymnasium (allerdings Bayern) als einzige gehbehinderte Schülerin immer zu kämpfen. Heute bin ich 21 Jahre alt und studiere Erziehungswissenschaftliche-empirische Bildungsforschung in Nürnberg. Inklusion war erst am Schluss meiner Schulzeit ein Thema, für dessen Umsetzung ich mich jetzt um so mehr einsetze. Auch ich verdanke meine Schullaufbahn in Regelschulen meiner Mutter, die eigentlich Lehrerin ist, für mich aber so manche Fahrdienste übernommen hat. Ich finde es schade, dass es für Behinderte immer noch Extrastrukturen gibt, statt zu versuchen, sie dort im Leben ihren Platz haben zu lassen, wo sie ihre Fähigkeiten ausleben können.

  12. Liebe Laura Gehlhaar!
    Aus dem Bauch mitten ins Herz……
    Erst vor wenigen Wochen habe ich Ihren Blog entdeckt – und hüpfe mal lachend und mal weinend von einem Rad aufs andere! Bitte mehr in solch wunderschönen, deutlichen Worten!
    Um Ihrer und seiner selbst willen wird er bleiben – der Richtige!

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