Frau Gehlhaars Monatszyklus – Oktober 2016

Es ist kalt geworden. Das wurde mir gerade in diesem Monat besonders klar. Ich reise viel, erzähle den Leuten Geschichten aus meinem Leben, halte Vorträge über Barrierefreiheit und Inklusion und muss dementsprechend viele Taschen mit dicken Winterklamotten und meiner Heizdecke mit mir rumschleppen. Dinge, die ich bei sommerlichen Temperaturen schön zu Hause lasse und statt schweren, dicken Wollpullovern und Strickjacken, die ich in Taschen und Rucksäcken an mir und meinen Rollstuhl befestige, nur ein dünnes Kleid trage und höchstens zwei bis drei Schlüpfer zum wechseln dabei habe. Es ist kalt geworden und ich schleppe meine Wintergarderobe quer durch Deutschland.

Monatshighlight

In München kam ich Mitte Oktober spät abends in Eiseskälte an. Schön dick eingepackt wurde ich vom Bahnpersonal mit einem freundlichen „Grüß Gott“ am Ausstieg des Zuges mit einer Rampe begrüßt. In leicht angehauchtem – damit es nicht so gekünstelt wirkt – aber nicht weniger überzeugten Bayrisch gab ich ein „Servus“ zurück. Der Bahnmitarbeiter lächelte mich an, ich lächelte zurück. Sowas würde mir in Berlin nie passieren. Ich liebe München.

Am nächsten Tag war ich als Speakerin auf dem Zündfunk Netzkongress 2016 auf der Bühne und sollte mit lieben Kollegen über Digitale Teilhabe sprechen. Darüber, wie Technologie die Teilhabe behinderter Menschen verbessern kann. Das war jedenfalls das Thema. Als mich die Moderatorin vor Publikum und laufender Kamera allerdings als erstes fragte, wie ich denn „im Rollstuhl gelandet“ sei, war – nun ja – meine Stimmung etwas getrübt. Und auch in der fortlaufenden Diskussion wurde leider mehr nach den persönliche Geschichten des Lebens gefragt, als ein konstruktives Gespräch über Technologie und ihren (Un-)Nutzen zu sprechen. Ein großes Lob an meine Kolleg*in Mareice Kaiser und Michel Arriens, die immer wieder versucht haben, zurück zum eigentlichen Thema zu führen.

Am letzten Tag in München habe ich noch eine Lesung mit anschließender Diskussionsrunde gegeben, dabei meine alte und in München lebende Schulfreundin neben mir sitzen gehabt und wurde am Ende von ihr händchenhaltend und bei sonnigen 15 Grad zurück zum Bahnhof gebracht.

Und ich war in Monheim am Rhein. Unter dem Motto „Inklusion weiter gedacht und gemacht“ habe ich zum Auftakt des diesjährigen Inklusionstages einen Vortrag darüber gehalten, warum es für die Gesellschaft so wichtig ist, dass Menschen mit Behinderungen nicht nur mittendrin dabei sind, sondern diese auch mitgestalten. In den anschließenden Werkstattrunden kamen engagierte Monheimer*innen zusammen, um Ideen für Projekte zu sammeln und zu konkretisieren, damit Monheim auch in Zukunft eine Stadt für alle sein kann.
Es war eine außergewöhnlich gute Erfahrung so viel Motivation und Engagement an einem einzigen Tag zu erleben und ich bin davon überzeugt, dass sich diese Einstellung auch durch alle anderen Tage in dieser Stadt ziehen wird. Ich wünsche mir mehr solche Tage, an denen Menschen zusammenkommen, Ideen austauschen und darüber reflektieren, wie man Städte nachhaltig inklusiver gestalten kann.

In Hamburg war ich mit den Digital Media Women unterwegs und habe in einem Panel darüber gesprochen, warum Diversity gut und wichtig für und in Unternehmen ist.

Monatsbegegnung

Ich erinnere mich, als ich Raul vor vier Jahren im Park kennenlernte, mich bei ihm ausheulte und wir Freunde wurden. Jetzt saß ich bei Raul in der TV-Sendung Krauthausen face to face und habe mein Buch „Kann man da noch was machen?“ vorgestellt. Ich bin sehr glücklich, und den Termin für die Ausstrahlung kann man sich am 18.02.2017 dick im Kalender markieren.

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Monatslink

„Oh, eine Frau im Rollstuhl, interessant!“, heißt es in einem von mir geschriebenen Text, in dem der Heyne-Verlag zu einem Gewinnspiel aufruft. Wer mein Buch gewinnen möchte, muss dort nur die Frage beantworten, welchen Namen ich meinem Rollstuhl gegeben habe. Eine leichte Frage, die alle Leser dieses Blogs chilli vanilli beantworten können.

Monatssong

Irgendwann im Sommer spülte mir die Nachricht in eine meiner Social Media Timelines, dass die Red Hot Chili Peppers auf Tour durch Deutschland fahren und Berlin auf ihrer Liste stand. Cool, dachte ich, da geh ich hin und nehm‘ den Mann mit. Mein letztes Konzert der Peppers war 2006 in Holland, Open Air, Regen, und ich habe mir währenddessen in einem Lachkrampf in die Hose gepisst. Zehn Jahre später blieb alles trocken und ich habe das Konzert mindestens genauso genossen. Und weil ich den Song Scar Tissue bei dem Konzert vermisst habe und ich diesen Song so sehr liebe, weil ich ihn im Auto mit meinem Cousin in der Wüste von Nevada, USA, rauf und runter gegrölt habe, kommt er hier nun für euch.