Ein bisschen sterben

Man mag meinen, der fließt alles aus der Feder. Die erledigt ihren Job chilli-vanilli mit links.
Weit gefehlt. Sehr weit sogar. Denn jeden Tag sterbe ich einen kleinen Heldentod, bekomme Panik vor der ganzen Arbeit, die noch vor mir liegt. Die leeren Seiten, die ungeduldig auf ihre Buchstaben warten. Schon zwei Mal war der Notarzt da. Atemnot, Angst zu ersticken und zu sterben, ohne die leeren, ungeduldigen Seiten beschrieben zu haben. Der Puls ist normal, das Herz schlägt stark und gleichmäßig, Sauerstoffversorgung perfekt. Panikattacke, alles psychisch, sagt man mir. Und natürlich weiß ich das alles. Dass das alles nur in meinem Kopf ist. Die Angst, die Unruhe genährt von so hohen Erwartungen an mich selbst. Das alles ist nur in meinem Kopf. Und der sucht sich jetzt Ausreden, um weiterhin davonzulaufen. Mit anhaltenden Kopfschmerzen immer dann, wenn ich an die immer noch leeren Seiten denke, plötzlich auftretende Rückenschmerzen, wenn ich weiß „so, heute muss ich echt ran! Sonst wird es knapp mit der Deadline!“
Mehrmals in der Woche übergebe ich mich und kotze mein ganzes Frühstück wieder aus. Nur nicht reinsteigern, rede ich mir ein und scheitere bei jedem erneuten Würgen, während mir die Tränen die Wangen runterlaufen.
„Ach Laura, niemand weiß, dass kreatives Schreiben die größte Qual sein kann. Außer man durchlebt genau diese Qual, wenn man eben schreiben muss, kreativ sein muss. Auf Knopfdruck.“, sagte mir eine Freundin vor kurzem. Sie ist Autorin. Sie weiß es.
Einfach machen, sage ich mir jeden Tag. Einfach machen und weiter atmen.
Ich liebe das Schreiben. Denn neben der unendlichen Qual ist es die wohltuendste Befreiung, das pure Ausleben von Glück und ein Ventil für Trauer und Wut und Verzweiflung.
Im Mai muss ich abgeben. Die Hälfte der Buchstaben bedecken bereits viele weiße Seiten. Jeden Tag kommen mehr Zeilen hinzu. Und dann ist es irgendwann da, mein erstes Buch.

(c) Andi Weiland | www.andiweiland.de

(c) Andi Weiland | http://www.andiweiland.de

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13 Gedanken zu „Ein bisschen sterben

  1. Liebe Laura,

    Ich lese gerade Dein Buch „Kann man da noch was machen“ und bin entweder am lachen oder am schmunzeln. Ich habe Seit Geburt eine spastische Tetraplegie (Lähmung der Beine) und bin deshalb selbst dauerhaft auf den „Rolli“
    angewiesen. Ich sage immer ich bin nicht behindert ich werde behindert. Ich bin Deiner Meinung „nicht die Behinderung“ ist das Problem sondern unsere Gesellschaft.

    Mach weiter so und lass Dich nicht unterkriegen …….Frauenpower ist angesagt.

    Herzliche Grüße aus Mainz

    Simone Janzer

  2. Sie haben die Eigenschaft beim Schreiben es auf den Punkt zu bringen.
    Ich hab auch so meine Probleme als Vater eines TetraQS, der früher keine Schranken kannte…
    Ich weis bis heute nicht wie ich die dauernde Frage beantworten soll:“Wie geht’s eigentlich dem…“
    Was wollen die Leute denn hören? Dass er am Leben verzweifelt?
    Ängste sind schlecht, weil sie blockieren. Ich weis aber auch, dass Panikattacken nicht leicht in den Griff zu kriegen sind.
    und ich schreibe nun nicht „Passen Sie auf sich auf“ Denn damit konnte ich noch nie was anfangen.
    Tut mir leid, liebe Naxos, sicher gut gemeint!
    Ich will mehr lesen von Ihnen Frau Gehlhaar, denn ich hab das Gefühl das brauche ich. Sicher mache ich so vieles falsch im Umgang mit meinem Kerle, dass mir ihre klaren Worte helfen.
    LG Uli

  3. Kreativ sein auf Knopfdruck klingt nach einer Sache der Unmöglichkeit, aber auf der anderen Seite rennt einem manchmal einfach die Zeit davon.. Ist echt ne Zwickmühle 😀

  4. … wirklich schöne Fotos. Und eine schöne Atmosphäre. Kaum zu glauben, dass hier auch eine Frau mit Panik im Kopf sitzen kann: Diagnose: Kreativblockade. Gibt es denn keinen roten Knopf, ein rotes Telefon mit einer guten Freundin? Oder einen schönen Ort zum Ablenken? Oder sind einfach die Ansprüche an sich selbst zu groß?

  5. Das Buch ist fertig…

    Vielen Dank für das Anteilhabenlassen…

    Ich weiß nicht ob über das Buch schon an anderer Stelle berichtet wurde, aber so vor meinem geistigen Auge, das Buch ist fertig…
    Vorderseite, Titel, Gestaltung, Rückseite, Klappentext, die ersten Seiten, das Inhaltsverzeichnis, die erste Hälfte ist da und auch der zweite Teil…
    Das Buch ist fertig…
    grins…
    Schönen Tag noch…

  6. Oh ja, die Qual des Schreibens. Ich denke dann manchmal an das kleine Fischlein im riesigen Ozean aus dem Walt Disney Film Cäptn Nemo: „Einfach schwimmen, einfach schwimmen.“

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