Frau Gehlhaars Monatszyklus – Mai 2015

Der Mai ist gekommen! Und dann war er auch schon wieder weg! Er hinterließ ein tolles Geburtstagsgeschenk, ein bisschen Mode, interessante Videos und viele Ausrufezeichen!

Monatshighlight

Ich hasse Weihnachten, Muttertag, Geburtstage (der anderen) und alle anderen Tage, wo ich von Erwartungen anderer unter emotionalen Druck gesetzt werde. Jeglicher Druck macht mich wahnsinnig und zumindest so aggressiv, dass ich aus Trotz und Selbstschutz schon gar keine Lust mehr habe, irgendwelchen Erwartungen gerecht zu werden.
Ganz anders verhält es sich zu meinem Geburtstag. Ich liebe meinen Geburtstag. Je älter ich werde, desto gelassener sehe ich meinem Geburtstag entgegen. Und das hat viele Vorteile: Meine Erwartungen an diesen Tag werden kleiner und die Überraschungen dadurch größer.

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Anna und ich in München, 2013.

Ein besonderes Geschenk durfte ich diesen Monat endlich einlösen: Ein Ticket fürs Ballett – Schwanensee. Meine Freundin Anna aka Heidi, eine der Damen von Riga, holte mich gediegen mit dem Auto, alkoholfreien Sekt, Sushi und Dinkelkeksen ab.
Zuvor gab es jedoch eine leicht ekelhafte Diskussion bezüglich meiner Rollstuhlkarte. Die zeigte nämlich, dass Anna als meine Begleitperson gar nicht neben mir gesessen hätte. Als ich in der Oper anrief, um zu hinterfragen, warum das so organisiert ist, bekam ich die kackdreiste Antwort: „Seien Sie doch lieber froh, dass so Leute wie Sie, überhaupt in die Oper gehen können.“
Am Ende stellte sich heraus, dass die Berliner Oper vier Plätze in der letzten Reihe auf einer kleinen Tribüne für RollstuhlfahrerInnen zur Verfügung stellt. Die jeweiligen Begleitpersonen werden dann eine Reihe, die durch mehrere Stufen von der Rollstuhltribüne getrennt ist, nach vorne gesetzt. Diese Gegebenheit erfuhr ich schon des Öfteren bei öffentlichen Veranstaltungen, wie Theater, Kino, etc. und habe sie nie einfach so hingenommen. Mein Argument ist dann stets, wie ich denn „begleitet“ oder mir assistiert werden soll, wenn die Begleitperson oder in anderen Fällen der/die AssistentIn nicht in der Nähe sitzt?! Auch würde ich es als sehr abwertend empfinden, würde mein Ehepartner oder Geliebter woanders im Kino sitzen, als ich.
Nach meiner Beschwerdemail und einer Entschuldigung in Form von Rechtfertigungen als Antwort der Berliner Oper, informierte man mich, dass ich an diesem Tag die einzige Person im Rollstuhl sei und es deshalb kein Problem wäre, wenn sich meine Begleitperson neben mich setzt.
Natürlich schrieb ich daraufhin noch einmal zurück und bat darum, meine Argumentation noch einmal zu berücksichtigen und dem Hinweis, dass es bei anderen Häusern/Veranstaltern, wie z.B. der Friedrichstadtpalast Berlin, auch wunderbar funktioniert, dass RollstuhlfahrerIn und BegleiterIn nebeneinander sitzen könnten. Auch überlässt der Friedrichstadtpalast die Entscheidung stets der Person mit Behinderung, ob sie/er den offiziellen Rollstuhlplatz oder das Umsetzen auf einen normalen Sitz bevorzugt.

Das Ballett und alles, was dazu gehörte, habe ich sehr genossen, auch weil Anna direkt neben mir saß und wir jede Gänsehaut und jedes leise Tränchen vor Rührung gemeinsam erleben konnten. Danke Anna, für dieses tolle Geschenk!

Monatsbegegnung

Begegnet bin ich ihr schon oft. Das erste Mal auf der re:publica 2013, live und zum Anfassen. „Cooler Typ“, dachte ich damals. Und irgendwie wird einem schnell klar, dass wenn man Ninia begegnet, man einer Frau begegnet, die weiß, was sie will, was sie kann, die sich mit ihren Träumen durchsetzt und der Welt offen und kritisch entgegentritt. Kurzum: Ich bin ein Fan! Und ich bin wenig überrascht, dass Ninia jetzt auch ihre eigene Modesendung auf RTL hat. Ninias Fashion Mag heißt die Sause, wo Folge um Folge interessante Leute vorgestellt werden, die etwas mit Mode zu tun haben: Modeblogger, Studenten, Designer und/oder Menschen, die den Modedreh einfach raushaben.
Ich habe mir die ersten beiden Folgen bereits angeschaut und etwas entdeckt, was mir ganz besonders gefiel: Ninia ist im Stehen genauso groß, wie ich im Sitzen und diese Gegebenheit wird bei Ninias Sendung weder aktiv thematisiert, noch wird dem Zuschauer auf subtil aufdringliche Art unter die Nase gerieben, dass Ninia mit ihren 140cm kleiner ist, als die meisten Erwachsenen. Ninia ist einfach Ninia und moderiert, weil sie es kann und zu einem Thema, wo ganz offensichtlich ihr Herzblut drinsteckt.

Ich möchte weitere TV-Formate, die von Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen moderiert werden. Umso mehr freue ich mich, dass Ninia nun einen Part in dieser Bewegung einnimmt und mit ihrer Selbstverständlichkeit Vielfalt ins deutsche Fernsehen bringt.

Und weil Ninia ’n cooler Typ ist, ist sie meinem Wunsch nachgekommen und hat ein Tutorial zum Tuch-um-den-Kopp-wickeln ins Netz gestellt. Sehet!

Monatsentdeckung

Immer wieder und fortlaufend werden mir Blogempfehlungen, Artikel oder lustige Tweets in die Timeline gespült. Freunde empfehlen mir gute Serien und Bücher. Oder ich lande per Zufall in einer schönen Bar oder außergewöhnlichem Restaurant.

Nun meine Top 3 der Maientdeckungen:

#1. „Dora oder die sexuellen Neurosen unserer Eltern“. Warum? Lars Eidinger! Behinderung und Sexualität! Ab 21.05 im Kino!

#2. Olivier Fermariello kam vor einiger Zeit mit einem interessanten Fotoprojekt um die Ecke. Er lichtete Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen ab und zeigt, dass körperliche Gegebenheiten den Wert von Nähe und intimen Momenten nicht mindern.

#3. Ein intimes und ehrliches Gespräch, was unter die Haut geht! Warum? Raul Krauthausen! Behinderung und Sexualität!

Monatssong

Ich stehe auf Ballett. Meine Freundin weiß das, meine LeserInnen auch. Als Kind und Jugendliche habe ich selbst Ballett getanzt und wäre sicherlich und mit absoluter Sicherheit heute Profitänzerin, wären meine Brüste nicht so groß geworden.

Und dann wäre ich mit Sergei Polunin durchgebrannt!

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