#rp15

27 Grad versprach das Termometer am 5. Mai, am ersten Tag der re:publica. Die re:publica bringt den Sommer. Und die Inspiration. Es war bereits das dritte Mal, wo ich an der größten Bloggerkonferenz teilnahm. Und jedes Mal ließ ich mich mitreißen von spannenden und mittelspannenden Vorträgen, von interessanten und lustigen Gesprächen mit Leuten aus der Netzgemeinde. Und oft ging ich mit eigenen Ideen und Inspirationen nach Hause.

Mit gerade mal 148 Follower auf Twitter und keine Ahnung, was das Bloggen mit mir machen könnte, holte ich mir mein erstes Ticket für die re:publica 2013. Etwas eingeschüchtert hing ich meinem Freund und Kollegen Raul am Rockzipfel, als er mir all die ‚wichtigen‘ Menschen, die ‚irgendwas mit Medien machen‘, vorstellte. Ich sah mir einige interessante Vorträge an, dachte ‚cool, das will ich auch‘, fragte Ninia, wie das so geht mit dem Bloggen, fuhr nach Hause und überlegte mir ein halbes Jahr, worüber ich eigentlich bloggen möchte. Der Rest ist Geschichte.

Dieses Jahr haben mich besonders diese drei thematisch sehr unterschiedlichen Vorträge mitgerissen, was vor allem an den Personen selbst lag, die da auf der Bühne standen und ihr offensichtliches Herzensthema dem Publikum präsentierten.

#1: Anne Wizorek – Let’s talk about Meinungsfreiheit, baby!!1!

Belästigungen, Beleidigungen und Drohungen im Netz sind leider Alltag, vor allem für Menschen die von Diskriminierungen wie Sexismus, Rassismus oder Homophobie betroffen sind. Hate Speech im Netz bedeutet Gewalt, Menschen werden in ihrer Teilhabe am gesellschaftlichen und politischen Geschehen gehindert. Trotzdem ist dieses Thema immer noch nicht Teil der netzpolitischen Agenda und „Don’t feed the trolls“ wird leider weiterhin als hilfreicher Tipp gesehen. Wir müssen daher endlich über die tatsächlich bedrohte Meinungsfreiheit im Netz reden, über Taktiken gegen den Hass, Medienkompetenz und unsere Verantwortung für ein freie(re)s Internet.

 

#2: Alexander Gerst (Astro Alex <3) – Blue dot mission, sechs Monate leben und arbeiten auf der ISS

ESA-Astronaut Alexander Gerst lebte und arbeitete von Mai bis November 2014 im Rahmen seiner „Blue Dot“-Mission auf der Internationalen Raumstation ISS. In seinem Talk berichtet er von seiner Ausbildung, dem Start zur ISS, seiner Arbeit als Geophysiker an Bord und dem Blick zurück auf unseren zerbrechlichen Heimatplaneten.
Die Geschichte hat mich von der ersten bis zur letzten Minute mitgerissen und das Schlusswort war klar und deutlich:

„Wenn ihr einen Traum habt, dann lasst ihn euch von niemandem ausreden. Ich habe immer den Traum gehabt, Astronaut zu werden, aber ich habe das nie so richtig ernst genommen. Ich hab geglaubt, ich werde sowieso nie Astronaut, 10.000 Leute bewerben sich dort, da hast du eh keine Chance. Aber ich dachte, ich bin es mir selbst schuldig, mich einmal zu bewerben, um mir nicht mit 80 aufwachen und denken, es ist zu spät. Ich hab mich beworben und ich wusste, ich fliege sowieso raus. Jetzt steh ich hier und ich war am überraschtesten von allen und das zeigt für mich, dass wenn man einmal im Leben einen Traum hat, sollte man dem auch eine Chance geben, weil man nie weiß, was daraus wird. Und deshalb meine Nachricht an euch: Lasst euch das nicht ausreden, aus Vernunftgründen. Probierts a mal!“

 

Und dann war da Max, der eine tolle Frage gestellt hat:

 

#3: Mareice Kaiser und Raul Krauthausen – Finding inclusion in digital Europe

Mareice Kaiser und Raul Krauthausen stellen (Online-)AktivistInnen aus Europa vor, die sich für die Rechte von behinderten Menschen und Barrierefreiheit einsetzen. Rund 80 Millionen Menschen mit Behinderung leben in Europa. Das Internet ist ein inklusiver Raum, in dem sich Menschen mit und ohne Behinderung immer mehr miteinander vernetzen. Technologische Entwicklungen fördern, dass unterschiedliche Behinderungen im digitalen Miteinander keine große Rolle spielen und viele Barrieren fallen. AktivistInnen mit und ohne Behinderung nutzen das Netz, um Inklusion zum Thema der Digitalen Gesellschaft zu machen. Hier nur ein paar von ihnen:

Ellie Simpson, UK
Iacopo Melio, Italien
Daniella Krijger, NL
Yasmin Nilson und Max Arehn, Schweden
Marcel Nuss, Frankreich

 

Besonders an der diesjährigen re:publica hat mir die Vielfalt der Teilnehmer gefallen. Mir sind zum ersten Mal viele kleine Familien aufgefallen, der jüngste Speaker war gerade mal elf Jahre, der älteste stolze 89 Jahre alt. Und noch nie zuvor sind mir so viele Menschen mit unterschiedlichen, sichtbaren Behinderungen aufgefallen. Aber warum ist das so? Einer der Gründe hängt sicherlich mit der Barrierefreiheit zusammen. Alles ist mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen befahrbar, es gibt überall vereinzelt Behinditoiletten und bei einigen – überwiegend da, wo über Behinderung gesprochen wurde – Vorträgen wurde in Gebärdensprache übersetzt und/oder Audiodeskription angeboten. Dennoch: Für das nächste Jahr würde ich mir mehr Gebärdensprachdolmetcher wünschen für eine größere Vortragsauswahl für Gehörlose und Schwerhörige.

Schappow!

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2 Gedanken zu „#rp15

  1. Sorry für meinen ersten platten Kommentar. Aber mir ist aufgefallen, daß Du Dich in deinen Alltagsgeschichten zu Recht über die Oberflächlichkeit der Gesellschaft und ihre Fixierung auf „perfekte“ Körper beklagst, und deren Vorstellung, wie das „perfekte Paar“ auszusehen hat. Klar ist es erschütternd, wenn dein Begleiter als „Zivi“ verwechselt wird, oder man ihm unterstellt, daß er sich etwas „aufbürdet“ etc. Und in Komplimente verpackten Chauvinismus zu ernten („So ne Hübsche, schade dass Du im Rollstuhl sitzt“ etc.) ist ohne Zweifel sehr verletzend.

    Ausschlaggebend für diesen Post war dein Kommentar über die Serie „Der Bachelor“:

    „Aber was wäre, wenn sich eine der Kandidatinnen mit einem markanteren Merkmal von allen anderen abheben würde? Was wäre, wenn es eine Kandidatin gäbe, die unter 1,40 m groß ist oder eine deutlich mehr wiegt, als 60 kg? Und wie würde der Bachelor reagieren, wenn es eine Kandidatin gäbe, die im Rollstuhl sitzen würde?“

    Tja, Gegenfrage. Wie sieht’s denn mit Dir aus? Würdest Du überhaupt noch ne Rose haben wollen, wenn der Bachelor unter 1,40 m groß wäre?

    Nicht falsch verstehen, es ist das gute Recht eines jeden Menschen, bei der Partnerwahl Standards zu haben. Aber irgendwie ergäben dann deine Gesellschaftsanklagen keinen rechten Sinn mehr. An Berührungen, Komplimenten, sexuellen Erfahrungen, kurz allen wertvollen Momenten des Lebens, scheint’s Dir ja so sehr nicht zu mangeln. Ich denke da nur an Menschen wie Raul Krauthausen oder Stella Young, die du selbst hier verlinkst… Ob die überhaupt nette Komplimente bekommen, die sich auf ihr Aussehen beziehen? Ob die auch intime Berührungen von jemandem bekommen, der kein Sexualassistent ist?

    Just my 2 cents, take it or leave it.

  2. Was beim Astrotalk irgendwie auch noch gar nicht thematisiert wurde, ist dieses Ding mit der Gleichschaltung – also was Raul mal so schön formuliert hatte: dass das Internet uns alle gleich macht und es fernab körperlicher Beschwerden auf ein Kommunikationslevel bringt. Das würde mich im All auch mal interessieren, wie es sich mit der Schwerelosigkeit verhält und ob das dann auch so einen Effekt hat wie das hier mit dem Internet.

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