Meine Behinderung, der Arschlochfilter

Du gehst aus, mit deiner besten Freundin in eine Bar. Ihr habt euch nett aufgehübscht, natürlich ohne jegliche Hintergedanken. Der einzige Mensch, für den du dich hübsch machst, bist sowieso und ausschließlich nur du selbst. Ihr wollt einfach einen schönen Abend miteinander verbringen. Unter euch, ohne Männer.
Und dann, ganz zufällig, sitzt er auch in dieser Bar, lächelt dich an. Du flirtest, du weißt, du siehst heute gut aus. Er kommt zu dir rüber und du erkennst unmittelbar: Er hat alles, was du dir je gewünscht hast. Groß, breite Schultern zum anlehnen. Seine Jeans trägt er lässig auf den Hüften. Er spricht dich an, mit tiefer, warmer Stimme sagt er dir, wie schön du bist. Du erkennst seine Güte und Aufrichtigkeit in diesem einen Satz. Du verliebst dich in der Nacht, in der ihr miteinander schlaft. Ihr seht euch wieder, geht miteinander aus, schlaft miteinander. Er ist genau das, was du brauchst und dir gut tut. Und natürlich erkennt er das selbe in dir.

Die ganze Geschichte kommt dir bekannt vor? Gut, mir auch nicht. Denn das mit der Liebe sieht in der Realität und vor allem in Berlin oft anders aus. Es ist die Stadt der ewigen Affären. Paare, die zusammen nach Berlin kamen, trennen sich. Oft weil einer den Versuchungen, die einem hier ständig unter die Nase gerieben werden, nicht standhalten kann. Er/sie entdeckt plötzlich, dass da auch noch andere Frauen/Männer sind, die einen weiterbringen könnten als der/die eigene Partner/in. Alleinstehende kommen in ihren 20ern in die Stadt, streben nach Selbstverwirklichung und entdecken die Unverbindlichkeit, nur um am Ende genau an dieser zu scheitern und frustriert, enttäuscht und immer noch Single mit Mitte 30 wieder zurück zu ihren Wurzeln kehren, sich besinnen und den Partner fürs Leben beim nächsten Dorffest finden.
Wer alles will und sich selbst verliert
In Berlin scheint sich niemand binden zu wollen, aber jeder wünscht sich eine glückliche Beziehung. Ohne Verantwortung, ohne gemeinsame Wohnung, ohne Kompromisse. Ich kenne keinen Single – und davon gibt es in der Hauptstadt ja bekanntlich viele – der glücklich über diesen Status ist. Das Paradoxe: Jeder scheint sich über das Problem im Klaren zu sein und analysiert:
Jeder strebt nach Selbstverwirklichung im Job, im Privatleben, im Bett. Man bindet sich nicht mehr, man wartet nur noch, bis das Bessere an der nächsten Ecke steht. Der bessere Job, die bessere Wohnung, die bessere Frau, der bessere Mann. Dieses Warten interpretiere ich als kontinuierliches Streben nach dem Besseren, getragen von hohen und oft utopischen Erwartungen, vor allem in Partnerschaften, genährt von den unzähligen Angeboten und Reizen, die diese Stadt zu bieten hat.
Doch das ganze Streben birgt eine große Gefahr: Man verliert seine Bescheidenheit. Eine Tugend, die für unser Seelenheil wichtig ist. Das Besinnen auf das hier und jetzt, zufrieden sein, mit dem was man hat, zu schätzen wissen, mit wem man zusammen ist. Das alles scheint verloren zu gehen. Dabei zeugt die Fähigkeit, sich auf etwas besinnen zu können, von Selbstbewusstsein. Man ist sich seiner Selbst bewusst. Man weiß, was man hat, was man von sich selbst und vom Leben erwarten kann. Das soll das Streben nach Selbstverwirklichung natürlich nicht ausschließen – im Gegenteil. Das zwischenzeitliche Besinnen auf sich selbst und das Hinterfragen seiner eigenen Werte, liefern womöglich genau die Stabilität, die man braucht, um sich selbst zu verwirklichen und dabei auch erfolgreich zu sein. Und dann kann man beruhigt aufhören, auf dieses Bessere zu warten oder danach zu streben. Man steht hinter seinem Vorhaben und seinen Entscheidungen und kann für sich selbst und andere Verantwortung nehmen. Das wirkt sich auch auf die Entscheidung aus, eine Partnerschaft einzugehen. Besonders dann, wenn er oder sie eine Behinderung besitzt. Man bringt sich entspannter und selbstbewusster an den Mann/die Frau, weil man weiß, was gut für einen ist. Man ist in der Lage, mehr zu sehen, als nur die Behinderung.
Es gibt guten und guten Sex
Es hat Zeit und Männer gebraucht, um diesen für mich nun logisch klingenden Gedanken in Worte zu fassen und danach zu leben. Ich strebe nicht mehr danach, den perfekten Partner – was auch immer perfekt bedeutet – zu suchen und habe gelernt, keine utopischen Erwartungen an Menschen, und schon gar nicht an diesen einen Partner, zu stellen. Um ehrlich zu sein, ist es mir auch einfach zu anstrengend. Ich habe aufgehört, mich von Männern finden zu lassen, die nicht wissen, was sie wollen und nicht mehr in mir sehen, als ein exotisches Abenteuer. Mir ist bewusst, dass ich auf viele Männer mit einer paradoxen Erscheinung als sehr faszinierend wahrgenommen werde. Ich bin sehr selbstbewusst, gehe sicher mit meinem Körper um, bin laut und manchmal lustig und wirke als starke Person nach außen. Auf der anderen Seite trage ich eine für andere offensichtliche Schwäche mit mir herum. Ich schmiere jedem so offensichtlich aufs Brot, dass ich in meinem Leben auch schon härtere, prägende Zeiten erlebt habe, dass manch einer hin und her gerissen ist, in welche Schublade er mich nun stecken soll. Es ist paradox, es ist verwirrend, es ist faszinierend. Und es ist in Ordnung für mich. Auch ich fühle mich von dem mir unbekannten angezogen, bin neugierig und möchte mich in neuen Situationen ausprobieren. Doch ich fühlte mich in diesen Momenten objektiviert, reduziert auf meine Behinderung und als das mal-mit-einer-Frau-im-Rollstuhl-geschlafen-Abenteuer abgestempelt. Meistens von Männern, die bei Frauen auf den ersten Blick gut ankommen, die jede haben könnten und schon alle gebumst haben, nun gelangweilt sind und in mir ihre ganz persönliche Herausforderung sehen. Das ist nicht der Regelfall, aber es kam vor. Bis mir mein damaliger Freund sagte: “Die einzige, die sich hier reduziert, bist du selbst.” und mich mit dieser Wahrheit knallhart ins Gesicht traf. Die Möglichkeiten, dass mich jemand geil findet, weil ich sein Typ Frau bin und vielleicht ausstrahle, dass ich auch kein Mauerblümchen bin, ließ ich außen vor. Und vielleicht versteckte ich mich sogar in diesen Momenten hinter meiner Behinderung; konnte ich doch alles Scheitern ganz einfach auf sie zurückführen. Dass mich jemand nicht haben wollte, weil ich womöglich zu dominant, zu vorlaut, zu bescheuert oder einfach nicht sein Typ war, zog ich nur selten in Betracht.

Ein anderes Extrem ist, dass mir aufgrund meiner eingeschränkten Mobilität, eingeschränkter Sex unterstellt wird. „Wie soll das denn funktionieren, wenn du noch nichtmal laufen kannst?“, wurde ich einmal gefragt. Oder es wird davon ausgegangen, dass ich einfach nur passiv rumliege und der Sex sowieso nicht gut sein kann. Solche Fragen oder Vorstellungen empfinde ich eher als dumm und zeugen von mangelhaften Vorstellungsvermögen. Wie solche nichtkreativen Menschen im Bett sind, kann ich mir dann wiederum sehr gut vorstellen.
Das Gute an gutem Sex ist, dass es den guten Sex gar nicht gibt. Jede/r muss für sich selbst entdecken, was sich gut anfühlt, wo und wie man zu seiner Befriedigung kommt und wie man Befriedigung an seine/n Partner/in zurückgeben kann – ob mit oder ohne Behinderung.
Sexualität ist nicht einfach da. Sie muss im Laufe des Lebens entwickelt, erforscht und ausgelebt werden. Ein gutes Körpergefühl und Kommunikation sind wohl die Schlüssel zu einem erfüllten Sexualleben. Mit einer Behinderung ist man gezwungen, sich mit seinem Körper auseinanderzusetzen und seine Kreativität zu optimieren. Anders funktioniert es nicht. Bringt man dann noch eine gute Portion Humor mit, das Verständnis, dass es beim Sex auch mal um Macht geht, ist der Spaß und die Leidenschaft schonmal gesichert.
Behinderung als Kompromiss?
Beziehung bedeutet neben gemeinsamen Urlauben, Partys und morgendlichem Sex nunmal auch Arbeit. In gewissen Situationen muss man zurückstecken um des Partners Willen und Glück. Man versteht es auch als Kompromiss eingehen. Auch das ist hin und wieder normal in einer Beziehung. Wenn das beide wissen, kann man beruhigt sein, dass der Partner, für den gerade noch zurückgesteckt wurde, genauso kompromissbereit ist, wenn der andere es gerade braucht und wünscht. Eine Wechselwirkung, an der man wächst und sich selbst besser kennenlernt.
Mit meiner Behinderung begegne ich dem Vorurteil, dass der Partner in einer Beziehung besonders viele Kompromisse eingehen muss. Dann mussten sich meine Exfreunde auch schonmal Sprüche anhören, wie „Warum tust du dir das an?“ oder „Hast du dir das auch gut überlegt?“ Damals brachte mich das oft in die Verlegenheit, kontinuierliche Überzeugungsarbeit zu leisten und manchmal sogar Dinge schöner zu reden, als sie in Wahrheit sind. Ich habe mich geschämt für die Dinge, die ich aufgrund meiner Biologie nicht kann oder anders erledigen muss. Und so habe ich mich auf Festivals gequält und kam an meine körperlichen Grenzen, oder habe mir bewusst kein Steak bestellt, weil ich in der rechten Hand wenig Kraft habe, um somit nicht nach Hilfe beim Schneiden fragen zu müssen. Ich wollte Leuten und Männern keinen Nährboden für solche Aussagen liefern, ich wollte nicht, dass jemand wegen meiner Behinderung einen Kompromiss eingehen muss. Bis ich entdeckte, dass mich der ständige Drang, Normalität, die nach Meinungen anderer nur ohne Behinderungen zu erreichen wäre, beweisen zu wollen, viel mehr anstrengte, als offen und ehrlich mit den Folgen meiner Behinderung umzugehen.
Wenn ich heute signalisiert bekomme, dass Menschen mir ein schweres, ‚unnormales‘ Leben aufgrund meiner Behinderung attestieren, gehe ich einfach mal davon aus, dass diese Leute bisher keine Erfahrung oder Begegnung mit Behinderungen gehabt haben, dass ihnen durch Medien und anderen gesellschaftlichen Instanzen ein defizitorientiertes Bild von Behinderung vermittelt und anerzogen wurde. Vielleicht wissen sie nicht, dass sich behinderte Menschen genauso aktiv und kompromissbereit in Beziehungen verhalten, wie der/die Partner/in. Eine Behinderung zu besitzen, bedeutet weder weniger bieten zu können, noch mehr zurückstecken zu müssen. Es geht darum – wie in jeder anderen Beziehung auch – ein Gleichgewicht zu halten, sich zu ergänzen. Und genauso, wie ich in einer Beziehung mit meiner körperlichen Situation, viel antreibe, viel motiviere, viel Kraft und Stärke gebe, kann ich auch viel kaputt machen, verletzen und Fehler begehen. Letztendlich schützt eine Behinderung nicht davor, auch mal das Arschloch zu sein. Und so entdeckte ich eines Tages, dass ich meinen damaligen Freund in Sachen persönliche und berufliche Entwicklung überholt hatte. Und auch das ist normal in einer Beziehung. Aber ich ging einfach weiter und ließ meinen Freund knallhart zurück, ohne dass ich ihm die Chance gab, meine Entwicklung zu verstehen und eventuell mit mir mitzugehen. Ich stellte meine Bedürfnisse über das Seelenheil des Mannes, den ich mal sehr geliebt habe.

Stark, mutig, selbstbewusst
Es ärgerte mich, wenn mein Freund als der starke, mutige und fürsorgliche Mann glorifiziert wurde von Leuten, die ihm anerkennend auf die Schulter klopften, nur weil er sich in eine Frau im Rollstuhl verliebt hatte. Ich fühlte mich in ein schlechtes Licht gestellt und als Bittstellerin abgestempelt. Und noch heute rufen diese Art von Menschen Anflüge von Aggressionen in mir aus. Jedoch habe ich für mich auch ein Fünkchen Wahrheit in diesen Aussagen entdeckt. Jeder Mann, der sich für mich entscheidet, muss neben einigen anderen Eigenschaften auch mutig, stark und fürsorglich sein. Ich würde keinen Mann, der nicht diese drei Eigenschaften mitbringt, für mich auswählen. Ich mag diese Eigenschaften an Männern. Sie tun mir gut. Ich habe an mir ebenfalls diese Attribute entdeckt und fühle mich in ihnen bestätigt und bestärkt, wenn ich sie auch bei meinem Mann wiederfinde. Und das ist gut so, denn andersrum glaube ich nicht, dass sich jemals ein Mann auf mich einlassen würde, der nicht mutig und stark ist. Nur wer bodenständig, selbstbewusst ist und weiß, was er will und ihm gut tut, würde sich auf mich die starke Frau mit Behinderung einlassen. Ganz einfach, weil er dann mehr sieht, als nur den Rollstuhl.
Kein Mann, der nicht offen für Perspektivwechsel, kreativ und geerdet ist, der Vielfalt erkennt und sie zu schätzen weiß, hätte das Selbstbewusstsein, mich an seiner Seite zu haben. Und das liegt nicht primär an meiner Behinderung, sondern weil ich die Laura bin, schnelllebig und sehr engagiert bin. Ich weiß, wie ich gut funktioniere, urteile streng und manchmal zu hart. Mein Humor ist schwarz, geht gerne unter die Gürtellinie und abends heul ich manchmal, weil ich mich besinne und erkenne, dass ich ganz schön viel Glück im Leben gehabt habe.
Und schließlich braucht mein Mann all diese Eigenschaften auch, um mit den gesellschaftlichen Vorurteilen, die meine Behinderung nunmal in der heutigen Zeit immer noch mitbringen, umzugehen: “Sind Sie ihr Betreuer?”, gab die Dame hinter der Kinokasse als Antwort auf meine Frage “Haben Sie noch zwei Plätze nebeneinander für Saal vier?” und schaute dabei meinen damaligen Freund an. Er fasste daraufhin meinen Hinterkopf und presste seinen Mund so erotisch auf meinen, wie wir es sonst nur zu Hause taten. Es war seine Art auf die Frage der Kinofrau zu antworten.Nur wer sich auf sich selbst besinnen kann und weiß, dass Bescheidenheit nicht bedeutet, sich einschränken zu müssen, sondern sie sich als Tugend bewahren kann, wird das Ding – das wäre in diesem Fall dann ich – schaukeln.

Meine Behinderung ist sichtbar. Sie prägt meine Persönlichkeit und filtert automatisch die Menschen, die nicht mehr in mir sehen, als den Rollstuhl als Symbol für Passivität und Defizit. Meine Behinderung ist mein ganz persönlicher Arschlochfilter.

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41 Gedanken zu „Meine Behinderung, der Arschlochfilter

  1. Pingback: Schön, lustig, arschig und geil können alle sein. Auch Menschen mit Behinderung(en). - Liebenslust

  2. Danke für den Text. Ich finde es gut, wenn ich die Erlebniswelt von anderen Menschen besser verstehen kann und dein Text hat sehr zum nachdenken angeregt.

  3. Sind wir auf der inneren Suche und lebenslangen Entwicklung nicht alle Behinderte ?
    Das Fixieren auf den Rollstuhl sind doch nur reflektierte, unausgearbeitete Strukturen… oder? Wozu sind wir denn auf dieser geliehenen Erde, wenn nicht um zu lernen. Gut, lernen läßt sich mit differentiellen Methoden, oder schlechten Erfahrungen. Umdenken, weiterdenken, tiefer denken… Wie schön, wenn sich in dieser ganzen Oberflächlichkeit unseres Lebens zwei – für sich selbst bekennende Nichtarschlöcher gefunden haben.

  4. Pingback: Weekly facts | heavythrillingpolish

  5. Grad entdeckt! Super aufgeschrieben, super Text! Ich habe zwar keine Behinderung, aber ich wähle auch nur Männer aus, die diesen Kriterien entsprechen 😉

  6. Lese immer mal wieder Deinen Blog und bin als Mensch mit einer nicht plakativen Behinderung von jedem Text bereichert. Auch wenn ich nicht alles nachvollziehen kann und manches anders sehe, sind gedankliche Präzision und inhaltliche Stringenz bei Dir absolut wohltuend. Zumal für mich besonders die imaginäre Grenze, die bei Dir immer wieder aufscheint, spannend ist – und zwar diejenige zwischen einem starken Selbstbewusstsein und harter Oberflächlichkeit. Die Tendenz zu letzterer (oft aus Selbstschutz) habe ich schon bei vielen reflektierten Behinderten erlebt und spüre sie auch in mir.
    Immerhin bin ich mir ziemlich sicher, unser gemeinsames Thema bald einmal auch in meine Bloggerei einfließen zu lassen. Danke für den Anstoß dazu.

  7. Die These „Behinderung ist mein perönlicher Arschlochfilter“ klingt plausibel, alle jubeln über diesen kurzen vermeintlich klugen Satz.

    Aber keiner denkt das zu Ende. Wenn man das tut, wirds nämlich so löchrig wie ein Schweizer Käse.

    Denn: Einige (nicht alle!)Menschen mit Behinderung sind besonders anfällig für Arschlöcher, weil sie in Sachen Partnerwahl nicht die größte Auswahlmöglichkeit haben.
    Einige Menschen spielen einem auch nur Gefühle vor um an materielle Dinge wie Geld zu kommen, oder für Sex, weil diese Arschlöcher grade auch keinen finden, genauso wie die Person mit Behinderung. So erging es ein paar Bekannten.
    Behinderte untereinander nutzen sich genauso aus, wie Menschen ohne Behinderung, da wird der Filter nämlich komplett ausgehebelt, da beide auf „Augenhöhe“ sind. Alles erlebt bei einer Ausbildung im Brufsbildungswerk.

    Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass es Menschen gibt, die überhaupt keine Probleme mit meiner Querschnittlähmung hatten, weder im Umgang, noch sexuell, egal auf welcher Ebene. Diese Männer waren bodenständig (was auch immer das heißen mag), mutig und selbstbewusst. Aber unabhängig davon haben Sie sich aufgeführt haben wie die letzten Ärsche.

    Und wiederum: Nur weil jemand mit einer Behinderung nicht zurecht kommt/vor Scheu nicht den Versuch eines Kennenlernens startet ist das kein Indikator dafür das dieser ein Arschloch ist. Dafür gibt es ein großes Sammelbecken an Gründen. Ich verurteile niemanden nur weil er keinen Partner mit Behinderung möchte.

    Männer die dich als ihre persönliche Herausforderung sehen sind meist verwirrt und fasziniert wie du sagst. Du kannst noch vor Ihnen erkennen, dass sie dich „nur spannend“ finden. Schon anhand der Tatsache, dass sie „schon alle hatten“ spricht gegen diese Männer. Und sie werden auch nach dir meist noch auf der ewigen Suche sein.

    Ich selbst, seit 15 Jahren Jahren im Rollstuhl sitzend, stelle mir imme wieder die Frage, ob ich, wenn ich keine Behinderung hätte, damit zurecht kommen würde, wenn mein Partner nicht laufen kann, also nicht handwerklich arbeiten/schwere Sachen tragen/ich ihm helfe müsste bei Treppen und Stufen/man nicht jeden Urlaub zusammen gestalten kann(Wanderurlaub/Ski fahren etc). Diese Frage kann ich mir selber nicht Beantworten, obwohl ich selbst mit meiner Behinderung sehr gut zurecht komme, mein Partner ebenso und ich insgesamt ein glücklicher Mensch bin, der das Leben liebt.

  8. He Laura… Ich fand den Artikel sehr bewegend, weil es mir oft gleich geht. Schön, dass du es in Worte fassen kannst, wie es dir geht und wie du die Dinge empfindest, und so die Menschen auf verschiedener Weise erreichst. Mich bestärkst du, anderen öffnest du die Augen, bringst sie zur Erkenntnis, einige klärst du auf und du wirst auch welche aufwühlen und provozieren. ❤ Mach weiter so. Super!

  9. Scheiße, was für ein fluffiger Schreibstil! Danke für diesen guten Text und Ihre sehr pesönlichen Gedanken.

    Ich werde wütend, wenn ich (hier zum Beispiel) lese, was sich manche Menschen im Alltag so anhören müssen. Da ist es doch gut, dass es Orte gibt (wie diesen zum Beispiel), der auch schönere Themen behandelt.

    Bin über BILDblog gekommen, werde nun aber häufiger mal einen Abstecher hierher machen. Danke für den fantastischen Text & die neuen Perspektiven!

  10. Ein sehr wahrer Text. Das Wort Arschlochfilter ist hiermit in meinem persönlichen aktiven Wortschatz eingezogen.
    Ich liebe das Leben und heule auch abends, nicht immer weil ich mich auf vergangenes Glück besinne, aber weil es reinigt.
    Eine hässliche Begebenheit kam beim Lesen in mein Bewusstsein.
    Mein Partner und ich irgendwo in Hamburg an einem Busbahnhof. Eine Person (interessanterweise kann ich mich nicht erinnern, ob Männlein oder Weiblein) ruft: „Was haben Sie für einen tollen Mann.“ Ich schaue ihn verliebt an, denke, „Ja, das hab ich.“
    Die Glücksblase bekam Risse als ich den Nachsatz mitbekam. „Der sieht doch noch ganz gut aus, der könnte ja wohl leicht eine Gesunde abschleppen.“ So wurde aus einem unschuldigen Kommentar ein Wortmonster. Eins, was jetzt seit ein paar Jahren bei mir ist. Nicht oft und auch nicht mehr in originaler Intensität. Und ich kann es jedesmal von neuem nicht fassen, dass es Leute gibt, die so denken. Und schamlos genug, es laut zu tun.
    Liebe Grüße, hab den Blick in dein Leben sehr gemocht. Danke dafür! Noa

  11. So eloquent wie du schreibst und ganz augenscheinlich auch fähig bist, über dich selbst zu reflektieren, kommt mir diese vordergründige Fixierung auf dein ganz spezielles Handicap schon auch ein wenig wie Koketterie vor. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ein so kategorisch gesetztes Filter wirklich die Arschlöcher so sauber aussortieren kann wie du behauptest und ich bin auch nicht so recht davon überzeugt, dass du dir selbst da so sicher bist, wie du es in deinem Text vorgibst.
    Ich denke auch nicht, dass jeder, der mit etwas ungewohntem, sei es eine Situation oder ein Umstand nicht sofort etwas anfangen kann automatisch ein Arschloch ist. Noch nicht einmal dann, wenn er nicht bereit ist sofort Offenheit und Experimentierfreude signalisiert, sondern vielleicht erst mal skeptisch zurückhaltend bis abweisend reagiert.
    Oberflächlichkeit hat viele Gesichter und der Mut tiefer zu schürfen ist auch nicht zwangsläufig immer vom Lorbeer des Erfolgs, beispielsweise einer tragfähigeren Erkenntnis, gekrönt aber er ist aus meiner Sicht eine Chance.

    • Alles, was du denkst, habe ich so nicht behauptet. Und sei versichert, mein „Handicap“ ist nicht speziell. Meine Behinderung ist einfach da, sie gehört zu mir, sie prägt mich und sendet mir viele unterschiedliche Reaktionen von außen. Darüber schreibe ich.

  12. Spannender Text, viele Gedanken, die man für sich weiterdenken kann. Ich finde mich sehr darin wieder, obwohl ich keinen Rollstuhl habe. Da sieht man es vielleicht-ob Behinderung oder nicht spielt vielleicht eine untergeordnete Rolle.

  13. Toller Beitrag!
    Selbst wenn man Erfahrung im Umgang mit Behinderten hat, ob beruflich oder privater Natur, eröffnest Du hier eine andere Perspektive und zeigst auf, dass auch behinderte Menschen keine Sonderbehandlung brauchen.
    Nur wer weiß, was er will, weiß auch, was der Partner sein muss, obwohl Kompromisse natürlich genauso wichtig sind. Ohne geht es eben nicht, ob der Partner behindert ist oder nicht.

  14. Dein persönlicher Arschlochfilter ist nicht der Rollstuhl, oder die Behinderung. Es ist deine Persönlichkeit, dein Gespür das du während deines Lebens im Umgang mit Menschen entwickelt hast. Dein persönlicher Atschlochfilter heißt Menschenkenntnis, denn seien wir mal ehrlich: auch im Rollstihl zieht man Arschlöcher an, die einen ausnutzen wollen. Und grundsätzlich: Wer ist wirklich ein Arschloch? Ich kenne ein paar. Aber wenn ich an die Männer denke mit denen ich eine Beziehung/Affaire hatte, haben sich manche echt daneben benommen. Das hatte zu 99 % nix mit der Behinderung zu tun, sondern Probleme mit dich selbst, die ich dann ausbaden musste. Das heißt aber nicht das sich Arschlöcher mit nicht nähern/versuchen mit mir etwas anzufangen. Arschlöchern ist es egal ob du ne Behinderung hast, solange man optisch schön ist.

  15. Großartig!! Eine Frage hätte ich trotzdem hättest du diese Passage anders Formulieren können ohne seine körperlichen Eigenschaften ? das Problem was ich damit habe isr das z.B behinderte Männer dieses Ideal von Mann oft nicht erreichen und dieses Stelle aber durch ihre Bildhaftigkeit irgentwie dazu beiträgt dieses Ideal zu festigen auch wenn du danach versuchst Die Suche nach dem Perfekten zu zerstören .
    ;,Er hat alles, was du dir je gewünscht hast. Groß, breite Schultern zum anlehnen. Seine Jeans trägt er lässig auf den Hüften. Er spricht dich an, mit tiefer, warmer Stimme sagt er dir, wie schön du bist. Du erkennst seine Güte und Aufrichtigkeit in diesem einen Satz. Du verliebst dich in der Nacht, in der ihr miteinander schlaft. Ihr seht euch wieder, geht miteinander aus, schlaft miteinander. Er ist genau das, was du brauchst und dir gut tut. Und natürlich erkennt er das selbe in dir.“

  16. Hi, vielen Dank für diese Perspektive. Ich habe mir vor Jahren, so meine werte Frau Mama, „so eine ans Bein gebunden“ (die beste aller Ehefrauen hat eine schwere Autoimmunerkrankung und wird irgendwann wohl auch im Rolli sitzen). Der Beitrag hat mich darüber nachdenken lassen, inwieweit man sich als Partner selbst überhöht oder im Glorienschein des Helden badet. Am Ende des Tages bleibt aber eine ganz normale Beziehung mit Höhen und Tiefen, Arbeit und Streit, Glück und Zufriedenheit. Die Kompromisse zugunsten der Krankheit sind relativ unbedeutend im Vergleich zu den ganz normalen Kompromissen, die jedes langjährige Paar im Laufe der Beziehung eingehen muss, damit es funktioniert.

  17. Pingback: Markierungen 03/24/2015 - Snippets

  18. Ich sitze zwar nicht im Rolli und meine Behinderung ist auf den ersten Blick nicht ersichtlich. Ich finde mich aber trotzdem in Deiner Geschichte häufig wieder (Steakbestellung im Restaurant, Glorifizierung des Partners/ der Partnerin,…).
    Hast eine schöne Schreibe. Ich werde mir Deinen Blog merken. Bin zufällig über Facebook hier gelandet.
    WEITER SO!

  19. Geht es beim Sex wirklich um Macht?… Doch eher das Gegenteil. …Und für die anderen Worte: Du sagst es! Zumal gerade in Berlin, dieses vermeintlich „Bessere“, meist nur ein Schein ist. Nirgends habe ich so viele interessant AUSSEHENDE, aber beim näheren Kennenlernen, mit sowas von flachen, oberflächlichen Charakteren ausgestattete Menschen getroffen. Deinen A*fliter hätte ich da auch gebrauchen können… 😉 Ganz Liebe Grüße nach Berlin.

    • Beim Sex muss es nicht um Macht gehen, aber es kann. Das Spiel mit Macht (und das Abgeben davon an den Partner/die Partnerin) kann sogar bewusster Teil des Sexspiels sein. Viele Menschen finden das erregend und befriedigend. Deswegen braucht es Kommunikation und Laura hat völlig recht: Sex muss man lernen und ausprobieren.

  20. Ein toller Beitrag, liebe Laura. Großartig reflektiert und auf den Punkt gebracht. Ich finde, auf deinem Blog lernt man jedes Mal etwas, und meistens ist es etwas hoffnungsvolles, lebensbejahendes, das ohne glossy Idealvorstellungen auskommt. Danke dafür!
    Ich habe auch einen Arschlochfilter. Meiner ist nicht so offensichtlich wie deiner, überhaupt ist er ganz anders und teilweise auch kompliziert, eben weil ich einem Menschen – einem Mann – schon Vertrauen schenken und mich öffnen muss, bevor er es weiß – dementsprechend mit dem Risiko, immens verletzt zu werden. Aber ich versuche trotzdem, Kraft aus der Situation zu schöpfen und mir zu sagen: Wer dich wegen einer Krankheit, für die du nichts kannst, ablehnt, hat dich auch nicht verdient – und er ist entweder kein besonders guter Mensch oder in seinem Leben einfach an einem Punkt, an dem er noch nicht besonders viel verstanden hat. Beides möchte ich nicht als Freund. Auch wenn es im ersten Moment trotzdem wehtun wird. Danke, dass du mir das mal wieder ins Gedächtnis gerufen hast und außerdem zeigst, dass nicht alles schwarz oder weiß ist – dass eine Behinderung oder eine Krankheit nur ein Merkmal von vielen ist und es vieles gibt (wie zB einen schlechten Charakter), das viel schwerer wiegt.
    Liebe Grüße

  21. Hallo,
    tolle Seite und der Bericht über den Taxifahrer gehört zu dem witzigsten, was ich 2014 im ganzen Netz gelesen habe.
    Aber hier hätte ich eine Verständnisfrage:
    Wenn sogar gewisse Männer vom Rollstuhl angezogen werden („mal-mit-einer-Frau-im-Rollstuhl-geschlafen-Abenteuer „), versagt dann nicht der Arschlochfilter irgendwie?

  22. Verdammt viel Text für die Botschaft, daß es nicht am Rollstuhl liegt, wenn eine Beziehung in die Binsen geht.

    Ich hab deinen Blog sowie die von Cinderella Glücklich und Anastasia Umrik mal diagonal gelesen und mich stört das ewige Rollstuhlgerede. Gut, in diesem Blog geht es neben dem Großstadtleben explizit um das Rollstuhlfahren, aber das macht es auch nicht besser. Keine von euch dreien möchte auf den Rollstuhl reduziert werden. Auf dieser Kein-Widerspruch-Seite heißt es sogar, daß man lieber auf die tollen Schuhe als auf den Rollstuhl angesprochen werden möchte. Und dann wird in den Blogs immer und immer wieder der Rollstuhl thematisiert. Das erinnert stark an „Don’t mention the war!“

    Hast du beim Thema Inklusion nicht auch eine Bringschuld? Du betonst das Trennende, nämlich die Behinderung. Zugegeben, du kannst witzig und pointiert darüber schreiben, aber auf Dauer ist das thematisch eintönig und auch kontraproduktiv. Warum schreibst du nicht mehr über dich, deine Hobbys, deine Interessen, deine Arbeit? Plakativ formuliert: mehr Laura, weniger Rollstuhl. Je mehr du als Mensch mit Stärken und Schwächen rüberkommst, desto normaler – und gleichzeitig interessanter – wirkst du auch. Das ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluß, aber vielleicht ein guter Ansatz in Sachen Inklusion zu zeigen, daß es um Menschen statt um Rollstühle geht.

    • Wenn dir die Thematik meines Blogs oder die von Cinderella oder Anastasia nicht zusagt, lese mich einfach nicht. Meine Behinderung ist ein wesentlicher Teil meines Lebens, vor allem beruflich. Ich schreibe gerne darüber. Und ich lasse jeden an dieser Facette meines Lebens teilhaben, der das möchte. Jeder muss entscheiden, was er interessant für sich sich findet und wo er eine Bereicherung und seinen Spaß aus diesem Blog nimmt. ‚Frau Gehlhaar‘ ist mein Spielplatz, hier mache ich die Regeln. Und wenn ich Lust habe übers Kochen, Backen oder Pokerspielen zu schreiben, werde ich das ganz sicher tun. Trotzdem hoffe ich, dass der ein oder andere Text in Zukunft mehr deinen Geschmack trifft. Für dich.

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