Whitney Houston, Ruby Blue und Eishockey

Schon oft habe ich mich gefragt, wann ich eigentlich sterbe, weil ich in meinem Leben schon so viele Kettenbriefe ignoriert habe. Erst über das Bloggen habe ich entdeckt, dass Kettenbriefe auch ihre Berechtigung haben, sogar Sinn machen können. Nicht alle, aber manche und immer dann, wenn man auf neue, gute Blogs aufmerksam gemacht wird, an ihnen kleben bleibt, lernt und lacht.

Heute kam das Stöckchen von Katrin. Katrin ist Bloggerin und Podcasterin und hat mich schon einmal zur Bloggerin der Woche gekürt. Danke Katrin, deine Fragen sind toll und hier sind die ehrlichen Antworten.

1. Wen, der Tod ist, hättest du gerne einmal kennen gelernt?

Whitney Houston. Ich hätte ihr gesagt, dass Drogen eine Scheißidee sind. Dann hätte ich mit ihr meine Lieblingssongs I have nothing, Lover for life und Run to you gesungen, einen Schnaps getrunken und ein Bad genommen. Aus Sicherheitsgründen. 

2. Würdest du lieber in einem anderen Land leben? (Begründen)

Nein. Niemals. Ich habe fünf Jahre in den Niederlanden gewohnt und war mal zu Schulzeiten für längere Zeit in England. Ich reise viel und entdecke jedes Mal, wie ekelhaft deutsch ich eigentlich bin. Ich liebe die deutsche Kultur, das Essen, die Literatur und die Sprache. Deutsch ist für mich die schönste Sprache der Welt. Neben Russisch. Und auch wenn ich fließend Niederländisch und gut Englisch spreche, kann ich mich in keiner anderen Sprache so gewählt und künstlerisch austoben, wie in der deutschen Sprache.

3. Welches Buch liest du gerade? Und welches davor? Und welches danach?

Gerade: Emails, eigene Texte, whatsapp-Nachrichten und dann wieder Emails.
Davor: Die Buddenbrooks von Thomas Mann
Danach: Der Lilith-Komplex, Die dunklen Seiten der Mütterlichkeit von Hans-Joachim Maaz

4. Was denkst du beim Wort “Feminismus”?

Komischerweise denke ich sofort an Männer! Ich kenne einige Männer, die sich ebenfalls als Feministen bezeichnen, ganz einfach weil sie für eine Chancengleichheit für Mann und Frau einstehen wollen.
Danach denke ich an das Wort Inklusion, weil es, ähnlich wie beim Feminismus, zu einem Streitwort geworden ist. Leute diskutieren darüber, ob Inklusion und Feminismus stattfinden sollte. Dabei ist es doch keine Frage des ob, sondern des wie.

5. Darf man über alles Witze machen?

An dieser Stelle möchte ich gerne eine junge Frau zitieren, die sehr kluge und einfache Worte zu dieser Antwort gefunden hat. Ihr Statement kam direkt nach den Charlie Hebdo Attentaten in Paris. Ich kann mich ihren Worten nur anschließen.

„Der Witz schafft eine Lücke zwischen dem, der ihn macht, und der Welt. Er kann dem Banalen Tiefe geben und dem Abgrund für einen Moment die Schwärze nehmen. Der Witz, die Karikatur, schmälern nie das Ereignis an sich. Im Gegenteil. Indem sie den Irrsinn benennen, versichern sie, dass der Irrsinn nicht normal ist. Sie leisten damit ein großes Stück Menschlichkeit.
Der Mörder hat keinen Abstand zur Welt. Ein Mord ist eine unerhörte Begebenheit, die vom Mörder ernst genommen werden muss, weil er sonst ihren Irrsinn einsehen müsste.“

6. Isst du Fleisch?

Ja, ich liebe Fleisch. Ich muss viel Eiweiß essen und da ist Fleisch genau richtig. 

7. Welche Jahreszeit ist die beste?

Na, der Karneval! Und danach mag ich den Frühling und den Herbst. Den Frühling, weil er einen Neuanfang bedeutet, alles wiederbelebt und ich endlich wieder meine geliebten Sommerkleider überziehen kann. Den Herbst, weil er mit etwas Gutem, dem Sommer, abschließt, mich auffordert, erlebte Dinge aufzuarbeiten und ich endlich wieder meine geliebten Winterpullis tragen kann.

8. Spielst du gerne?

Ist das jetzt eine dieser subtilen Sexfragen? Wann ja, dann ja. Wenn nicht, dann muss ich leider zugeben, nein, ich mag keine Spiele. Außer ich spiele mit jemandem, der schlecht verlieren kann. Dann amüsiere ich mich über diese verbissene und unlustige Art meines Mitstreiters, was den Betroffenen noch mehr ärgert und mich konsequenterweise noch mehr belustigt. Ach, ich liebe es. 

9. Wenn man dir einen Tag schenken würde, zusätzlich zu den anderen, und dieser Tag wäre morgen: Was würdest du dann tun?

Die Frage erinnert mich ein bisschen an Wenn das der letzte Tag deines Lebens wäre, was würdest du tun? Und beide Fragen würden die gleiche Antwort erhalten: Nichts anderes.
Als Rollstuhlfahrerin, oder Frau mit einer Behinderung, meinen Leute mir oft mitteilen zu müssen, dass sie jetzt auch erkannt haben, jeden Tag so zu leben, als sei es der letzte Tag auf Erden. Diese Leute erwarten dann eine Art Wertschätzung ihnen gegenüber, weil sie davon ausgehen, dass auch ich genau nach diesem Motto lebe, nur weil ich im Rollstuhl sitze und demnach etwas sehr dramatisches erlebt haben muss. Das ist ein kleines Phänomen und ich kann darüber lächeln. Die Leute wissen nicht, wie sehr ich mich an manchen Tagen gehen lasse, auf dem Sofa rumhänge und den Tag einfach an mir vorbeiziehen lasse. Denn ich finde auch solche Tage haben ihre große Berechtigung und mindern meinen Genuss am Leben nicht. Und deshalb würde ich an einem zusätzlichen Tag genau das machen, was ich sonst auch tue. Arbeiten, schreiben, Freunde treffen, ins Ballett gehen, singen, essen, schlafen oder einfach mal auf dem Sofa abhängen.

10. Frauen und Männer – biologisch oder sozial konstruiert?

Es sind die geschlechtlichen Merkmale, die uns der Gruppe Mann und der Gruppe Frau zuordnen. Aber laut Oerter und Montada basiert die Identitätsentwicklung beim Menschen auf zwei Prozessen: Der Selbsterkenntnis und der Selbstgestaltung. Das bedeutet, dass man die Merkmale einer bestehenden Gruppenidentität als eigene Wesensmerkmale annimmt und zugleich eigene persönliche Merkmale ausbildet. Ich denke, dass diese Wesensmerkmale durch Erziehung, Rollenbilder und soziale Prägung zwar stark beeinflusst werden, die Entscheidung aber immer bei einem selbst liegen muss, was man mit seiner vorgegebenen Biologie macht und mit welchen Werten man sich identifizieren möchte.

11. Welche fünf Songs bilden den Soundtrack deines Lebens?

In meinem Leben gab es Anlässe oder Situationen, wo mich ganz bestimmte Songs begleitet haben. In den 90ern war ich großer Fan von Moloko. Als sich die Band auflöste, ging ich auf das erste Konzert der ehemaligen Frontfrau, Róisín Murphy. Es war ein kleines Konzert zu ihrem Solodeputalbum Ruby Blue. Ich tanzte mit meinem Cousin, Onkel und meiner Tante in der ersten Reihe. Bei dem Lied Night of the dancing flame kam sie die drei Stufen zu mir runter, setzte sich auf meinen Schoß und küsste mich. Das war das erste Mal, dass ich mit einer Frau geknutscht habe.

Als Kind bin ich mit meinen Eltern immer zu den Eishockeyspielen der Düsseldorfer EG gegangen. Mein Stiefpapa hatte immer seine Jahreskarten. Zum Einlaufen wurde das Stadium immer ganz dunkel gemacht, bis Diskolichter leuchteten und die Spieler zu dem Lied Insomnia von Faithless nacheinander aufs Eis rausrannten. Gänsehautfeeling pur.

2010 bin ich mit meinem Cousin durch die USA getourt. Von New York ging es an die Westküste nach Los Angeles und schließlich nach Las Vegas. Die vielen Stunden im Auto haben wir alles von den Red Hot Chilli Peppers hoch und runter gehört. Zwischendurch sind wir den Peppers einmal mit Herbert Grönemeyer fremdgegangen und haben laut auf dem Sunset Boulevard das Lied Bochum gegrölt.

Und dann fehlt mir noch ein Song, der Läuft bei dir heißt. Für die richtig guten Tage und wegen Rollstuhl und so.

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2 Gedanken zu „Whitney Houston, Ruby Blue und Eishockey

  1. Auf Knutschen mit Róisín Murphy bin ich jetzt etwas neidisch. (Was ein grandioser erster Kommentar in einem neu entdeckten Blog, bitte entschuldige. Aber ich bin wirklich etwas neidisch)

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