Warum schreibst du eigentlich, Frau Gehlhaar?

„In ihrem Blog Frau Gehlhaar schreibt Laura Gehlhaar über das Großstadtleben und das Rollstuhlfahren. Sie schreibt Geschichten über Themen wie Liebeskummer, Urlaube, Inklu­sion oder Träume, wobei ihre Behinderung meistens eine wesent­liche Rolle spielt. Oft sind es kritische Texte, die sie und den/die Leser*in zum Nachdenken, Schmunzeln, Lachen und im Idealfall zur Selbstreflexion bringen.“

Warum nutzt du für deine Themen einen Blog?

Bei einem Blog habe ich keinen Auftraggeber, sondern entscheide selbst über die Themen und Geschichten. Ich habe keinen Druck von außen und lerne, mich selbst zu motivieren. Und bescheiden, wie ich versuche zu sein, würde mir gerade auch kein anderes Medium einfallen, was an mir und meinen Texten Interesse haben könnte.

Warum schreibst du gerne, wann hat das angefangen?

Schon in der Schule freute ich mich, wenn wir als Hausaufgabe oder Klausur, Aufsätze schreiben sollten. Man kann seiner Fantasie und Kreativität freien Lauf lassen, nie­mand stoppt oder verbietet einem das, was man schreibt. Beim Schreiben fühle ich mich frei und ungehemmt.

Welche Rückmeldungen möchtest du erreichen?

Ich mag jegliche Form von Rückmeldung. Auch die kritische. Wenn Kritik konstruktiv ist und freundlich for­muliert, kann ich damit gut arbeiten. Ich bekomme die Chance, noch einmal zu reflektieren und auf andere Sichtweisen zu stoßen. Das ist sehr wertvoll für mich. Und besonders freue ich mich natürlich über Lob und mutma­chende Worte. Das macht so ein warmes Gefühl im Bauch.

Mit deinen Blogs gibst du einiges über dich preis, du präsentierst dich deiner Leserschaft und machst dich mit deinen Gedanken auch angreifbar. Warum suchst du diese Form von Auseinandersetzung, was ist deine Intention?

Ich mag die Interaktion mit anderen und bringe Men­schen gerne zum Lachen und Nachdenken. Dabei gebe ich auch viel Persönliches preis, was nach meiner Erfah­rung von meinen Lesern und Leserinnen überwiegend wertschätzend gesehen wird. Sollte mich jedoch jemand angreifen, nur weil ich zeige, wie und wer ich bin, ist er/sie bei mir an der falschen Adresse.

Schreibst du auch woanders?

Ich schreibe viel für andere Magazine oder Blogs. Bis vor kurzem habe ich in einer Werbeagentur getextet, wobei das weniger mit Schreiben zu tun hatte. Auch habe ich mal Tagebuch geschrieben. So richtig mit Stift und Heft. Diese Hefte habe ich sogar heute noch, und wenn ich darin lese, was ich als 13-Jährige für Gedan­ken hatte, würde ich mich sofort einweisen lassen! Ich glaube, ich habe meinen Eltern ziemlich viele schlaf­lose Nächte bereitet.

Wir beurteilst du das Thema Behinderung in Printmedien?

Ich beobachte, dass die Medien immer noch zu häufig auf Stereotype zurückgrei­fen, wenn es um die Berichterstattung von Menschen mit Behinderung geht. Dann geht es um das sogenannte Opfer, welches an den Rollstuhl gefesselt ist oder unter seiner Behinderung leidet. Oder der Leser oder die Leserin bekommt den behinderten Menschen als Helden präsentiert, der tap­fer sein Schicksal meistert oder durch den Sport seine Behinderung überwindet. Das sind zwei Extreme, die in den meisten Fällen nichts mit der Lebensrealität eines Menschen mit Behinderung zu tun haben. Ich würde mir wünschen, den Menschen mehr in den Mittelpunkt der Berichterstattung zu rücken und die Behinderung zwar als einen prägen­den, aber nicht als den einzig ausschlagge­benden Teil des Menschen zu sehen. Jeder, der über Menschen mit Behinderung berichten möchte, lege ich die Seite Leidmedien ans Journalistenherz. Das ist ein Portal, wo man sich Tipps für die Berichterstattung holen kann.

Was liest du gerne, hast du ein Lieblingsbuch?

Was mir gerade gut gefällt, ist immer abhän­gig von der Phase, in der ich mich zu diesem Zeitpunkt befinde. Ich kaufe mir Magazine nur, wenn ich von einem interessanten Artikel darin weiß, oder ich lese ein bestimmtes Buch, egal welchen Genres, weil mir der Klappen­text gefiel. Vor kurzem habe ich „Die Bud­denbrooks“ von Thomas Mann gelesen und im Gegensatz zu meiner Schulzeit, wo wir das Buch im Deutschunterricht lasen, endlich begriffen, worum es in dem Werk eigentlich geht. Ein drittes Mal würde ich es allerdings nicht lesen.

 

Das Interview habe ich für das WIR-Magazin gegeben. Über das Schreiben, Bloggen und die Menschen, die ich damit erreichen möchte. Das ganze Interview mit schönen Bildern, kann man hier nachlesen.

Interview: Ursula Rebenstorf

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Ein Gedanke zu „Warum schreibst du eigentlich, Frau Gehlhaar?

  1. Hallo Frau Gehlhaar,
    da du dich ja über Feedback zu freuen scheinst, hier mal kurz meines… Ich bin über deinen „Überraschungserfolg“ mit dem Rolli-Bullshit-Bingo auf deinem Blog gelandet und hängen geblieben.
    Ich arbeite an einer „Regel“schule mit dem sog. „Schulprofil Inklusion“. Wir wissen selbst noch nicht genau was das bedeutet, und immer wieder frage ich mich das auch selbst, ganz persönlich. Gibt es Inklusion überhaupt? Für jeden? Wie kann das im (Schul-)Alltag aussehen, funktionieren?
    Dein Blog gibt mir da spannende Einblicke und Impulse – dafür herzlichen Dank!

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