Frau Gehlhaars Monatszyklus – Januar 2015

Mit kleiner Verzögerung kommt nun mein Monatszyklus – Januar 2015. Es war ein guter, fruchtbarer Monat. Nein, ich bin nicht schwanger, sondern trage lediglich viel Arbeit und neue Ideen mit mir herum. Deshalb die Verzögerung.
Da wir uns gedanklich aber gerade doch irgendwie in der unteren Körperhälfte befinden, folgt gleich mal ein Übergang zu einer Ankündigung: Am 6.02 werde ich bei DRadiowissen zu hören sein. Bei der Sendung Eine Stunde Liebe geht es dann über… genau, Liebe. Und Sex. Und Behinderung.

Monatshighlight

Ich liebe Geburtstage. Besonders meinen eigenen. Der war am 8. Januar und machte mich 28 Jahre und ein paar zusätzliche Monate alt. Gefeirt habe ich mit alten (=langjährigen) und neuen Freunden, Arbeitskollegen und einem Baby, Ava Linh, unser jüngster Sozialheldenzuwachs. Die ganze Sause über steckte ich in einem Löwenkostüm. Warum, weiß ich nicht.
Ich mag meinen Geburtstag deshalb so gerne, weil das neue Lebensjahr, ähnlich wie Silvester, ein Anlass ist, über Altes nachzudenken und Neues zu kreieren. Ich bin dankbar, gute und lustige Menschen um mich zu wissen, die mich schon so lange Zeit begleiten, unterstützen, kritisieren und zum lauten lachen bringen.

Andi, einer meiner Lieblingskollegen und Freund war mal wieder ganz in seinem Element und hat ein paar schöne Fotos gemacht.

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Ihr erinnert euch an ‚Sissi‘ und ‚Heidi‘? Meine Damen von Riga? Das sind sie.

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Monatsfact

„Laura? Sitzt du?!“, schrieb mir eine der lustigsten Twitterkolleginnen. „Ja, moment. Ich brauche sowieso gerade ne Pause vom Joggen. Schieß los!“, „Hier. Lies.“ Ich klickte auf den Link und freute mich über meine erste Nominierung der Goldenen Blogger 2014 in der Kategorie ‚Bestes Tagebuchblog 2014‘. „Geil.“, antwortete ich, kaufte mir salziges Popcorn und warf mich am Abend mit Laptop auf die Heizdecke im Bett, um den Livestream der Verleihung zu verfolgen.

Noch vor der Bekanntgabe des Gewinners der ersten Kategorie forderte die schlechte Qualität der Live-Übertragung jegliche Konzentration, sodass mich nur noch die in regelmäßigen Abständen eingehenden, hysterischen whatsapps von Mareice, die ebenfalls nominiert war, wach und bei guter Stimmung hielten.

Ich wurde zweite, schniefte mir die mit Mühe hineingesetzten Popcornstücke aus der Nase, weil yolo, freute mich, twitterte darüber und schlief ein.

Herzlichen Glückwunsch an Patricia von dasnuf, die Gewinnerin der Kategorie ‚Bestes Tagebuchblog‘!

Vielen Dank für meine erste Nominierung, lieber Herr Fiene. Ich wäre vor Freude fast, aber auch nur fast, aus dem Rollstuhl gesprungen. Meine tollen Leserinnen und Leser, danke fürs Abstimmen und Beglückwünschen!

Monatsbegegnung

Mareice Kaiser regiert das Kaiserinnenreich, ihr inklusives Familienblog. Sie schreibt über das Leben als Mutter von zwei Töchtern, mit und ohne Behinderung. Sie erzählt von Inklusionsfamilien, der Suche nach guten Kindergärten und von gemeinsamen Familienausflügen, auch mal in Krankenhäuser. Und das alles macht sie so wunderbar unaufgeregt und frei von jeglichem Mitleids-chi-chi, dass sich ihr Blog rasch zu einem meiner Lieblingsblogs entpuppte. Durch Mareices Geschichten fühle ich mich an meine Kindheit erinnert. Als ich fünf Jahre alt war, wurde mein Bruder geboren. Durch eine schwere Meningitis und viele Komplikationen lebt Julian heute mit einer Lernbehinderung, Epilepsie und ist gehörlos. Ich weiß also nicht nur, wie es ist, selbst mit einer Behinderung groß zu werden, ich weiß auch, wie es sich anfühlt, wenn eins deiner Geschwister eine Behinderung hat. Ich bin davon überzeugt, dass sich Mareice und meine Mutter viel zu erzählen hätten. So schreibt Mareice ganz unverblümt darüber, wie ihre behinderte Tochter, Kaiserin 1, das Kacken lernte und ich denke, genauso hätte es meine Mutter auch über Julian geschrieben. Denn auch Julian, mein Seelenverwandter, musste ein Jahr lang aufgrund vieler Darmoperationen, das Kacken erst lernen. 
Zurecht hat Mareice, die als beste Newcomerin der Goldenen Blogger 2014 nominiert war, den ersten Platz in besagter Kategorie gewonnen. Herzlichen Glückwunsch, Püppi!

Mit großer Begeisterung und ein bisschen Wehmut habe ich die Maledivenreise von Christine Neder ende letzten Jahres verfolgt. Mein Herz schlug schneller, als ihre Erzählung und Fotos von Kuramathi auf meinem Bildschirm aufpoppten. Denn ich war auch schon zwei Mal dort. Und leider muss ich gestehen: Es waren die schönsten Urlaube meines Lebens. Damals bin ich das letzte Mal durch Sand gelaufen.
Als Christine dann ihre LeserInnen aufrief, ihre eigenen schönsten Urlaubsbilder mit ihr zu teilen, fühlte ich mich abrupt herausgefordert, ein ebenso paradiesisches Inselfoto, Qualität: Hochglanzmagazin, an sie zu senden. Ein Foto, mit dem ich alle neidisch machen könnte. Neidisch auf die von mir besuchten Traumstrände dieser Welt. Also entschied ich mich für ein Foto aus… Usedom.

Monatsentdeckung

Immer wieder und fortlaufend werden mir Blogempfehlungen, Artikel oder lustige Tweets in die Timeline gespült. Freunde empfehlen mir gute Serien und Bücher. Oder ich lande per Zufall in einer schönen Bar oder außergewöhnlichem Restaurant.
Meine Bloggerkollegin und Freundin Anastasia Umrik hat eine neue Rubrik in ihrem Blog. In Begegnungen stellt sie nach eigener Aussage schöne, schlaue, besondere, liebenswerte und interessante Menschen vor. Ich weiß nicht, wie sie da auf mich gekommen ist. Vielleicht liegt es an dem ‚liebenswert‘. Anastasia hatte mich damals gefragt, ob ich bei ihrem Fotoprojekt anderStark mitmachen möchte. Das wollte ich aber nicht, weil die Fotos nicht zu mir passten. Ich mochte die Art, wie sie mit meiner Direktheit und Ehrlichkeit umgegangen ist und sich meine Kritik angehört hat. Seither schätze ich Anastasia sehr. Es ist schön, sie in meinem Leben zu haben.

Monatssong

Es tut mir leid. Ich muss mich bei all jenen entschuldigen, die ich im Januar mit diesem Video genervt habe. Ich weiß auch, dass die Entschuldigung jetzt und sofort wieder hinfällig wird, da ich noch immer nicht aufhören kann, jedem dieses geile Video aufzuzwingen. Und der Song ist auch ganz nett.

 

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4 Gedanken zu „Frau Gehlhaars Monatszyklus – Januar 2015

  1. Kann mich nanan68 nur anschließen.
    Lese seit Dezember -dank einer Empfelung einer sehr netten Dame, die ich im selben Monat kennengelent habe- den Monatszyklus und über die Weihnachtsfeiertage die älteren Beiträge komplett gelesen.
    Vieles habe ich wiedererkannt, hab gelacht und geweint… und freue mich immer wieder auf neue Denkanstöße 😉
    In diesem Monatszyklus finde ich, kann man das Beste nicht lesen, sondern bei DRadiowissen nachhören.
    Als Mann im Rollstuhl treffe ich in der Damenwelt (gefühlt) häufiger auf Vorbehalte und Ängste was das Thema „Sexualität“ angeht.
    Hoffe, dass der Radiobeitrag viele Hörer(innen) findet und die Gesellschaft begreift, dass Behinderung nicht bedeutet, dass keine Bedürnisse und Wünsche bestehen.

    Gruß
    WeB

    PS: Alles Gute nachträglich 😉

    • Bezüglich Sexualität kann ich mich WeB nur anschließen. Ich habe auch den Eindruck, dass Behinderte oftmals als Wesen angeschaut werden, die in den Augen der Gesunden nicht imstande sind, sexuelle Gefühle zu haben, geschweige denn, diese auszuleben. Durch diese Grundhaltung der Gesunden, habe ich persönlich meine sexuellen Gefühle jahrelang unterdrückt, weil ich plötzlich auch der Überzeugung war, als Behinderter kein Anrecht darauf zu haben, meine sexuellen Gefühle ausleben zu dürfen, wie dies Gesunde tun. Zum Glück hat mich dann mal mein Urologe auf das Thema Sexualität angesprochen und mir quasi ärztlich verordnet, ab sofort meine Sexualität auszuleben. Seither bin ich fast ein neuer Mensch geworden und erkläre den Leuten, die danach fragen, seither auch sehr gerne wie mein behinderter Körper funktioniert. Vorher bin ich solchen Sachen immer ausgewichen und habe mich geschämt, dass ich anders bin, als alle anderen.

  2. Ich hätte gerne deinen Monatssong bzw. dein Monatsvideo Februar angeschaut, aber das Video lässt sich leider aus der Schweiz nicht abspielen 😞. Lachen musste ich, dass du für das grosse Geschäft, ebenfalls das Wort Kacken brauchst.
    Ich habe vor ein paar Jahren auch mal eine 6 seitige Erzählung über mich und meine Behinderung niedergeschrieben. Und als es darin darum ging, zu erklären, wie bei mir das große Geschäft funktioniert, fand ich die Ausdrücke stuhlen und großes Geschäft so vornehm, dass ich beschloss das Wort Kacken zu verwenden, wie du jetzt auch. 😊
    Ansonsten ist dein neuer Monatszyklus wiederum sehr witzig geschrieben und ich habe wieder einiges mehr über dich erfahren, das ich noch nicht wusste. DANKE, dass du uns so hautnah an deinem Leben teilhaben lässt! 👍

  3. Pingback: Frau Gehlhaars Monatszyklus – Januar 2015 | Lesbar und Texterei von Texthase Online

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