Zwischen Unterhaltung und Aufklärung – Filmkritik zu “Der Kotzbrocken”

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Wenn im Teaser eines Fernsehfilms schon Wörter fallen wie “Pflegefall” und “an den Rollstuhl gefesselt”, ahne ich, wie manch RollstuhlfahrerInnen auch, nichts Gutes. So war ich mir auch beim Lesen des Teasers zum Film “Der Kotzbrocken” (ARD) unsicher, ob ich mir das antun wollte. Doch dann schaute ich rein. 

Als ich vor ein paar Wochen das Presseheft der ARD-Produktion zum Film “Der Kotzbrocken” las, war ich sehr verwundert:

Der Pflegefall Georg (Roeland Wiesnekker) ist nach einem Autounfall an den Rollstuhl gefesselt. Seither lebt er in einer stationären Pflegeinrichtung für Behinderte. Sein Zimmer ist verdunkelt, er liegt rauchend und verwahrlost auf dem Boden. Er badet in Selbstmitleid, will niemanden sehen und ‚kotzt’ jeden an, der ihm gut zureden will. Ein richtiger Kotzbrocken.

Schon wieder schienen Medienmacher auf den fahrenden Zug des heiß diskutierten Themas “Behinderung” aufspringen zu wollen und würden wohl mehr Schaden anrichten, als mit Klischees und Vorurteilen aufzuräumen. Schon wieder wird ein Protagonist an den Rollstuhl gefesselt und zum Pflegefall gemacht. Beides sind Begriffe, die sehr negative Bilder in den Köpfen auslösen und die Vorurteile nur noch bekräftigen. Als Rollstuhlfahrerin bin ich aber nicht an den Rollstuhl gefesselt, sondern auf ihn angewiesen. Mein Rollstuhl ermöglicht mir die Fortbewegung oder dient mir als Sportgerät. Auch wird der Begriff Pflegefall eher im medizinischen oder bürokratischen Fachbereich verwendet, als im Alltag, wo ein Mensch, auf Assistenz angewiesen ist. Und ist es wirklich realistisch, dass der allgemeine Rollstuhlfahrer in einer stationären Pflegeinrichtung lebt? Mich irritierten diese Begriffe und mir verging die Lust, den Film überhaupt anzusehen.

Ich sah ihn mir trotzdem an, nahm mein Notizheft zur Hand, weil ich einen Arikel schreiben wollte, achtete aber auf jeden kleinen Fehler, der meine Vorahnung einer klischeebeladenen “Behindertenromanze” bestätigen sollte. Ich habe Fehler gefunden und dabei etwas ganz anderes verloren…

Wie viel Realität erträgt die Darstellung von Behinderung?

Die ersten sechzehn Minuten rauschten unaufgeregt an mir vorbei, bis die Szene in der stationären Pflegeeinrichtung kam, in der als erstes ganz offensichtlich fitte, sportliche und sehr selbständige Rollstuhlfahrer beim Basketballspielen gezeigt wurden. Ich verdrehte die Augen und notierte mit aggressiv geführten Stift: „Realitätsferne Darstellung! Seit wann leben selbständige Rollstuhlfahrer in Heimen?! Oh Gott!“

Kurz darauf wurde ‘Martin’ vorgestellt. Ein Nebendarsteller, der offensichtlich einen hohen Querschnitt hat und als bedauerliche, todkranke und pseudo-weise Figur mit gequälter Stimme dargestellt wird. Eine Pflegerin füttert ihn, sein Schlabberlatz ist übersaht mit Brei. Ich wurde wütend. „Hätte man während der Fütterszene nicht auf das vollbesudelte Lätzchen verzichten können?!“, kritzelte ich in meine Notizen. Der Drehbuchautor wollte damit wohl das große ‘Leid’ unterstreichen, überlegte ich. Aber jeder, der einem gelähmten Menschen beim Essen assistiert und dabei so grausam kleckert, hat offensichtlich seine Berufung verfehlt. Auch, dass Martin plötzlich in das Hospiz abtransportiert wird, irritierte mich sehr, da ich mich fragte, ob “aktive Sterbehilfe” hier (un)bewusst thematisiert wurde. Die Rolle von Martin verschärfte in meinen Augen generell das Vorurteil, dass Menschen mit derartigen Behinderungen weder würdevoll noch länger leben können.

Schmaler Grad zwischen Unterhaltung und Aufklärung

Wer sucht, der findet. Mir hat das Anschauen des Films keinen Spaß gemacht. Und jetzt weiß ich warum.
Ich habe mich so sehr auf mögliche Fehler und Fettnäpfchen konzentriert, jedoch dabei den Blick für das große Ganze, die lustigen, rührenden, ja sogar die aufklärenden Momente verloren.  Erst als ich den Film ein zweites Mal sah, entdeckte ich, dass das im Presseheft angekündigte Bild des an den Rollstuhl gefesselten Pflegefalls, Georg, im Film gar keine Rolle mehr spielt. Zwar fanden sein Frust und Selbstmitleid anfänglich ihre Berechtigung. Doch der Zuschauer erfährt, wo dieser Frust und die Manier des “Kotzbrockens” herrühren,  kann emotional mitgehen und gewinnt nach und nach das Bild des aktiven Mannes im Rollstuhl, der um eine Frau kämpft. Und schließlich eröffnete sich mir die Botschaft, die der Film den ZuschauerInnen vermitteln wollte: Eine Liebesgeschichte. Eine Liebesgeschichte, dessen Ausgang zwar zu erwarten war, die jedoch so frei von Kitsch und Mitleids-chi-chi ist, dass es einfach Spaß machte, dabei zuzusehen. Denn am Ende ist es nicht der behinderte Mann allein, der gerettet werden muss. Auch Sophie, die Protagonistin, wird durch Georg, den Rollstuhlfahrer, gerettet:

Sophie (Aglaia Szyszkowitz) ist verloren zwischen ihrer Rolle als alleinerziehende Mutter, zwei Jobs und finanziellen Sorgen. Und schließlich wird sie auch noch durch eine Gerichtsverurteilung zu 300 Sozialstunden verdonnert und leistet diese in der stationären Einrichtung bei Georg (Roeland Wiesnekker) ab. Ihre anfänglichen Reibereien enden, als Sophie erfährt, dass Georg vor seinem Unfall Marathonläufer war und er sie zu einer Wette herausfordert: Beide nehmen am nächsten inklusiven Marathon teil. Wenn Georg gewinnt, bekommt er Sophie. Wenn Sophie gewinnt, bekommt sie Georg. Ihr tägliches Training verbindet beide immer stärker. Aus der anfänglichen Abneigung wird Freundschaft. Aus Freundschaft wird tiefe Zuneigung. Durch Georg entdeckt sie, was es bedeutet, Fehler einzugestehen und Selbstverantwortung zu übernehmen. Doch in Sophies Leben gibt es auch noch den wohlhabenden und gut aussehenden Jacques (Martin Rapold), der für Eifersucht- und Beziehungsdramen sorgt.

Es freut mich, wenn ein breites Medium, wie die ARD, sich mit dem Thema “Behinderung” und “Begegnung mit Menschen mit Behinderung” auseinandersetzt. Ich sehe es als große Chance für jede Produktion, den gängigen Klischees und Vorurteilen entgegenzuwirken, indem sie dieses wichtige und sehr sensible Thema einer inklusiven Liebesgeschichte in die Wohnzimmer der Zuschauer transportieren. Der Film “Der Kotzbrocken” vermittelt eine der modernsten Botschaften in unserer heutigen Gesellschaft: Die Liebe zwischen einem Mann im Rollstuhl und einer nicht behinderten Frau. Und hat damit etwas geschafft, was bisher nur wenigen Produktionen gelingt: Er hat die Zuschauer unterhalten und ganz nebenbei aufgeklärt, dass so eine Liebe möglich sein kann.

Dieser Text erschien ebenfalls bei Leidmedien und ist hier noch einmal frisch zu begutachten.

 

Whitney Houston, Ruby Blue und Eishockey

Schon oft habe ich mich gefragt, wann ich eigentlich sterbe, weil ich in meinem Leben schon so viele Kettenbriefe ignoriert habe. Erst über das Bloggen habe ich entdeckt, dass Kettenbriefe auch ihre Berechtigung haben, sogar Sinn machen können. Nicht alle, aber manche und immer dann, wenn man auf neue, gute Blogs aufmerksam gemacht wird, an ihnen kleben bleibt, lernt und lacht.

Heute kam das Stöckchen von Katrin. Katrin ist Bloggerin und Podcasterin und hat mich schon einmal zur Bloggerin der Woche gekürt. Danke Katrin, deine Fragen sind toll und hier sind die ehrlichen Antworten.

1. Wen, der Tod ist, hättest du gerne einmal kennen gelernt?

Whitney Houston. Ich hätte ihr gesagt, dass Drogen eine Scheißidee sind. Dann hätte ich mit ihr meine Lieblingssongs I have nothing, Lover for life und Run to you gesungen, einen Schnaps getrunken und ein Bad genommen. Aus Sicherheitsgründen. 

2. Würdest du lieber in einem anderen Land leben? (Begründen)

Nein. Niemals. Ich habe fünf Jahre in den Niederlanden gewohnt und war mal zu Schulzeiten für längere Zeit in England. Ich reise viel und entdecke jedes Mal, wie ekelhaft deutsch ich eigentlich bin. Ich liebe die deutsche Kultur, das Essen, die Literatur und die Sprache. Deutsch ist für mich die schönste Sprache der Welt. Neben Russisch. Und auch wenn ich fließend Niederländisch und gut Englisch spreche, kann ich mich in keiner anderen Sprache so gewählt und künstlerisch austoben, wie in der deutschen Sprache.

3. Welches Buch liest du gerade? Und welches davor? Und welches danach?

Gerade: Emails, eigene Texte, whatsapp-Nachrichten und dann wieder Emails.
Davor: Die Buddenbrooks von Thomas Mann
Danach: Der Lilith-Komplex, Die dunklen Seiten der Mütterlichkeit von Hans-Joachim Maaz

4. Was denkst du beim Wort “Feminismus”?

Komischerweise denke ich sofort an Männer! Ich kenne einige Männer, die sich ebenfalls als Feministen bezeichnen, ganz einfach weil sie für eine Chancengleichheit für Mann und Frau einstehen wollen.
Danach denke ich an das Wort Inklusion, weil es, ähnlich wie beim Feminismus, zu einem Streitwort geworden ist. Leute diskutieren darüber, ob Inklusion und Feminismus stattfinden sollte. Dabei ist es doch keine Frage des ob, sondern des wie.

5. Darf man über alles Witze machen?

An dieser Stelle möchte ich gerne eine junge Frau zitieren, die sehr kluge und einfache Worte zu dieser Antwort gefunden hat. Ihr Statement kam direkt nach den Charlie Hebdo Attentaten in Paris. Ich kann mich ihren Worten nur anschließen.

„Der Witz schafft eine Lücke zwischen dem, der ihn macht, und der Welt. Er kann dem Banalen Tiefe geben und dem Abgrund für einen Moment die Schwärze nehmen. Der Witz, die Karikatur, schmälern nie das Ereignis an sich. Im Gegenteil. Indem sie den Irrsinn benennen, versichern sie, dass der Irrsinn nicht normal ist. Sie leisten damit ein großes Stück Menschlichkeit.
Der Mörder hat keinen Abstand zur Welt. Ein Mord ist eine unerhörte Begebenheit, die vom Mörder ernst genommen werden muss, weil er sonst ihren Irrsinn einsehen müsste.“

6. Isst du Fleisch?

Ja, ich liebe Fleisch. Ich muss viel Eiweiß essen und da ist Fleisch genau richtig. 

7. Welche Jahreszeit ist die beste?

Na, der Karneval! Und danach mag ich den Frühling und den Herbst. Den Frühling, weil er einen Neuanfang bedeutet, alles wiederbelebt und ich endlich wieder meine geliebten Sommerkleider überziehen kann. Den Herbst, weil er mit etwas Gutem, dem Sommer, abschließt, mich auffordert, erlebte Dinge aufzuarbeiten und ich endlich wieder meine geliebten Winterpullis tragen kann.

8. Spielst du gerne?

Ist das jetzt eine dieser subtilen Sexfragen? Wann ja, dann ja. Wenn nicht, dann muss ich leider zugeben, nein, ich mag keine Spiele. Außer ich spiele mit jemandem, der schlecht verlieren kann. Dann amüsiere ich mich über diese verbissene und unlustige Art meines Mitstreiters, was den Betroffenen noch mehr ärgert und mich konsequenterweise noch mehr belustigt. Ach, ich liebe es. 

9. Wenn man dir einen Tag schenken würde, zusätzlich zu den anderen, und dieser Tag wäre morgen: Was würdest du dann tun?

Die Frage erinnert mich ein bisschen an Wenn das der letzte Tag deines Lebens wäre, was würdest du tun? Und beide Fragen würden die gleiche Antwort erhalten: Nichts anderes.
Als Rollstuhlfahrerin, oder Frau mit einer Behinderung, meinen Leute mir oft mitteilen zu müssen, dass sie jetzt auch erkannt haben, jeden Tag so zu leben, als sei es der letzte Tag auf Erden. Diese Leute erwarten dann eine Art Wertschätzung ihnen gegenüber, weil sie davon ausgehen, dass auch ich genau nach diesem Motto lebe, nur weil ich im Rollstuhl sitze und demnach etwas sehr dramatisches erlebt haben muss. Das ist ein kleines Phänomen und ich kann darüber lächeln. Die Leute wissen nicht, wie sehr ich mich an manchen Tagen gehen lasse, auf dem Sofa rumhänge und den Tag einfach an mir vorbeiziehen lasse. Denn ich finde auch solche Tage haben ihre große Berechtigung und mindern meinen Genuss am Leben nicht. Und deshalb würde ich an einem zusätzlichen Tag genau das machen, was ich sonst auch tue. Arbeiten, schreiben, Freunde treffen, ins Ballett gehen, singen, essen, schlafen oder einfach mal auf dem Sofa abhängen.

10. Frauen und Männer – biologisch oder sozial konstruiert?

Es sind die geschlechtlichen Merkmale, die uns der Gruppe Mann und der Gruppe Frau zuordnen. Aber laut Oerter und Montada basiert die Identitätsentwicklung beim Menschen auf zwei Prozessen: Der Selbsterkenntnis und der Selbstgestaltung. Das bedeutet, dass man die Merkmale einer bestehenden Gruppenidentität als eigene Wesensmerkmale annimmt und zugleich eigene persönliche Merkmale ausbildet. Ich denke, dass diese Wesensmerkmale durch Erziehung, Rollenbilder und soziale Prägung zwar stark beeinflusst werden, die Entscheidung aber immer bei einem selbst liegen muss, was man mit seiner vorgegebenen Biologie macht und mit welchen Werten man sich identifizieren möchte.

11. Welche fünf Songs bilden den Soundtrack deines Lebens?

In meinem Leben gab es Anlässe oder Situationen, wo mich ganz bestimmte Songs begleitet haben. In den 90ern war ich großer Fan von Moloko. Als sich die Band auflöste, ging ich auf das erste Konzert der ehemaligen Frontfrau, Róisín Murphy. Es war ein kleines Konzert zu ihrem Solodeputalbum Ruby Blue. Ich tanzte mit meinem Cousin, Onkel und meiner Tante in der ersten Reihe. Bei dem Lied Night of the dancing flame kam sie die drei Stufen zu mir runter, setzte sich auf meinen Schoß und küsste mich. Das war das erste Mal, dass ich mit einer Frau geknutscht habe.

Als Kind bin ich mit meinen Eltern immer zu den Eishockeyspielen der Düsseldorfer EG gegangen. Mein Stiefpapa hatte immer seine Jahreskarten. Zum Einlaufen wurde das Stadium immer ganz dunkel gemacht, bis Diskolichter leuchteten und die Spieler zu dem Lied Insomnia von Faithless nacheinander aufs Eis rausrannten. Gänsehautfeeling pur.

2010 bin ich mit meinem Cousin durch die USA getourt. Von New York ging es an die Westküste nach Los Angeles und schließlich nach Las Vegas. Die vielen Stunden im Auto haben wir alles von den Red Hot Chilli Peppers hoch und runter gehört. Zwischendurch sind wir den Peppers einmal mit Herbert Grönemeyer fremdgegangen und haben laut auf dem Sunset Boulevard das Lied Bochum gegrölt.

Und dann fehlt mir noch ein Song, der Läuft bei dir heißt. Für die richtig guten Tage und wegen Rollstuhl und so.

Warum schreibst du eigentlich, Frau Gehlhaar?

„In ihrem Blog Frau Gehlhaar schreibt Laura Gehlhaar über das Großstadtleben und das Rollstuhlfahren. Sie schreibt Geschichten über Themen wie Liebeskummer, Urlaube, Inklu­sion oder Träume, wobei ihre Behinderung meistens eine wesent­liche Rolle spielt. Oft sind es kritische Texte, die sie und den/die Leser*in zum Nachdenken, Schmunzeln, Lachen und im Idealfall zur Selbstreflexion bringen.“

Warum nutzt du für deine Themen einen Blog?

Bei einem Blog habe ich keinen Auftraggeber, sondern entscheide selbst über die Themen und Geschichten. Ich habe keinen Druck von außen und lerne, mich selbst zu motivieren. Und bescheiden, wie ich versuche zu sein, würde mir gerade auch kein anderes Medium einfallen, was an mir und meinen Texten Interesse haben könnte.

Warum schreibst du gerne, wann hat das angefangen?

Schon in der Schule freute ich mich, wenn wir als Hausaufgabe oder Klausur, Aufsätze schreiben sollten. Man kann seiner Fantasie und Kreativität freien Lauf lassen, nie­mand stoppt oder verbietet einem das, was man schreibt. Beim Schreiben fühle ich mich frei und ungehemmt.

Welche Rückmeldungen möchtest du erreichen?

Ich mag jegliche Form von Rückmeldung. Auch die kritische. Wenn Kritik konstruktiv ist und freundlich for­muliert, kann ich damit gut arbeiten. Ich bekomme die Chance, noch einmal zu reflektieren und auf andere Sichtweisen zu stoßen. Das ist sehr wertvoll für mich. Und besonders freue ich mich natürlich über Lob und mutma­chende Worte. Das macht so ein warmes Gefühl im Bauch.

Mit deinen Blogs gibst du einiges über dich preis, du präsentierst dich deiner Leserschaft und machst dich mit deinen Gedanken auch angreifbar. Warum suchst du diese Form von Auseinandersetzung, was ist deine Intention?

Ich mag die Interaktion mit anderen und bringe Men­schen gerne zum Lachen und Nachdenken. Dabei gebe ich auch viel Persönliches preis, was nach meiner Erfah­rung von meinen Lesern und Leserinnen überwiegend wertschätzend gesehen wird. Sollte mich jedoch jemand angreifen, nur weil ich zeige, wie und wer ich bin, ist er/sie bei mir an der falschen Adresse.

Schreibst du auch woanders?

Ich schreibe viel für andere Magazine oder Blogs. Bis vor kurzem habe ich in einer Werbeagentur getextet, wobei das weniger mit Schreiben zu tun hatte. Auch habe ich mal Tagebuch geschrieben. So richtig mit Stift und Heft. Diese Hefte habe ich sogar heute noch, und wenn ich darin lese, was ich als 13-Jährige für Gedan­ken hatte, würde ich mich sofort einweisen lassen! Ich glaube, ich habe meinen Eltern ziemlich viele schlaf­lose Nächte bereitet.

Wir beurteilst du das Thema Behinderung in Printmedien?

Ich beobachte, dass die Medien immer noch zu häufig auf Stereotype zurückgrei­fen, wenn es um die Berichterstattung von Menschen mit Behinderung geht. Dann geht es um das sogenannte Opfer, welches an den Rollstuhl gefesselt ist oder unter seiner Behinderung leidet. Oder der Leser oder die Leserin bekommt den behinderten Menschen als Helden präsentiert, der tap­fer sein Schicksal meistert oder durch den Sport seine Behinderung überwindet. Das sind zwei Extreme, die in den meisten Fällen nichts mit der Lebensrealität eines Menschen mit Behinderung zu tun haben. Ich würde mir wünschen, den Menschen mehr in den Mittelpunkt der Berichterstattung zu rücken und die Behinderung zwar als einen prägen­den, aber nicht als den einzig ausschlagge­benden Teil des Menschen zu sehen. Jeder, der über Menschen mit Behinderung berichten möchte, lege ich die Seite Leidmedien ans Journalistenherz. Das ist ein Portal, wo man sich Tipps für die Berichterstattung holen kann.

Was liest du gerne, hast du ein Lieblingsbuch?

Was mir gerade gut gefällt, ist immer abhän­gig von der Phase, in der ich mich zu diesem Zeitpunkt befinde. Ich kaufe mir Magazine nur, wenn ich von einem interessanten Artikel darin weiß, oder ich lese ein bestimmtes Buch, egal welchen Genres, weil mir der Klappen­text gefiel. Vor kurzem habe ich „Die Bud­denbrooks“ von Thomas Mann gelesen und im Gegensatz zu meiner Schulzeit, wo wir das Buch im Deutschunterricht lasen, endlich begriffen, worum es in dem Werk eigentlich geht. Ein drittes Mal würde ich es allerdings nicht lesen.

 

Das Interview habe ich für das WIR-Magazin gegeben. Über das Schreiben, Bloggen und die Menschen, die ich damit erreichen möchte. Das ganze Interview mit schönen Bildern, kann man hier nachlesen.

Interview: Ursula Rebenstorf

Frau Gehlhaars Monatszyklus – Januar 2015

Mit kleiner Verzögerung kommt nun mein Monatszyklus – Januar 2015. Es war ein guter, fruchtbarer Monat. Nein, ich bin nicht schwanger, sondern trage lediglich viel Arbeit und neue Ideen mit mir herum. Deshalb die Verzögerung.
Da wir uns gedanklich aber gerade doch irgendwie in der unteren Körperhälfte befinden, folgt gleich mal ein Übergang zu einer Ankündigung: Am 6.02 werde ich bei DRadiowissen zu hören sein. Bei der Sendung Eine Stunde Liebe geht es dann über… genau, Liebe. Und Sex. Und Behinderung.

Monatshighlight

Ich liebe Geburtstage. Besonders meinen eigenen. Der war am 8. Januar und machte mich 28 Jahre und ein paar zusätzliche Monate alt. Gefeirt habe ich mit alten (=langjährigen) und neuen Freunden, Arbeitskollegen und einem Baby, Ava Linh, unser jüngster Sozialheldenzuwachs. Die ganze Sause über steckte ich in einem Löwenkostüm. Warum, weiß ich nicht.
Ich mag meinen Geburtstag deshalb so gerne, weil das neue Lebensjahr, ähnlich wie Silvester, ein Anlass ist, über Altes nachzudenken und Neues zu kreieren. Ich bin dankbar, gute und lustige Menschen um mich zu wissen, die mich schon so lange Zeit begleiten, unterstützen, kritisieren und zum lauten lachen bringen.

Andi, einer meiner Lieblingskollegen und Freund war mal wieder ganz in seinem Element und hat ein paar schöne Fotos gemacht.

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Ihr erinnert euch an ‚Sissi‘ und ‚Heidi‘? Meine Damen von Riga? Das sind sie.

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Monatsfact

„Laura? Sitzt du?!“, schrieb mir eine der lustigsten Twitterkolleginnen. „Ja, moment. Ich brauche sowieso gerade ne Pause vom Joggen. Schieß los!“, „Hier. Lies.“ Ich klickte auf den Link und freute mich über meine erste Nominierung der Goldenen Blogger 2014 in der Kategorie ‚Bestes Tagebuchblog 2014‘. „Geil.“, antwortete ich, kaufte mir salziges Popcorn und warf mich am Abend mit Laptop auf die Heizdecke im Bett, um den Livestream der Verleihung zu verfolgen.

Noch vor der Bekanntgabe des Gewinners der ersten Kategorie forderte die schlechte Qualität der Live-Übertragung jegliche Konzentration, sodass mich nur noch die in regelmäßigen Abständen eingehenden, hysterischen whatsapps von Mareice, die ebenfalls nominiert war, wach und bei guter Stimmung hielten.

Ich wurde zweite, schniefte mir die mit Mühe hineingesetzten Popcornstücke aus der Nase, weil yolo, freute mich, twitterte darüber und schlief ein.

Herzlichen Glückwunsch an Patricia von dasnuf, die Gewinnerin der Kategorie ‚Bestes Tagebuchblog‘!

Vielen Dank für meine erste Nominierung, lieber Herr Fiene. Ich wäre vor Freude fast, aber auch nur fast, aus dem Rollstuhl gesprungen. Meine tollen Leserinnen und Leser, danke fürs Abstimmen und Beglückwünschen!

Monatsbegegnung

Mareice Kaiser regiert das Kaiserinnenreich, ihr inklusives Familienblog. Sie schreibt über das Leben als Mutter von zwei Töchtern, mit und ohne Behinderung. Sie erzählt von Inklusionsfamilien, der Suche nach guten Kindergärten und von gemeinsamen Familienausflügen, auch mal in Krankenhäuser. Und das alles macht sie so wunderbar unaufgeregt und frei von jeglichem Mitleids-chi-chi, dass sich ihr Blog rasch zu einem meiner Lieblingsblogs entpuppte. Durch Mareices Geschichten fühle ich mich an meine Kindheit erinnert. Als ich fünf Jahre alt war, wurde mein Bruder geboren. Durch eine schwere Meningitis und viele Komplikationen lebt Julian heute mit einer Lernbehinderung, Epilepsie und ist gehörlos. Ich weiß also nicht nur, wie es ist, selbst mit einer Behinderung groß zu werden, ich weiß auch, wie es sich anfühlt, wenn eins deiner Geschwister eine Behinderung hat. Ich bin davon überzeugt, dass sich Mareice und meine Mutter viel zu erzählen hätten. So schreibt Mareice ganz unverblümt darüber, wie ihre behinderte Tochter, Kaiserin 1, das Kacken lernte und ich denke, genauso hätte es meine Mutter auch über Julian geschrieben. Denn auch Julian, mein Seelenverwandter, musste ein Jahr lang aufgrund vieler Darmoperationen, das Kacken erst lernen. 
Zurecht hat Mareice, die als beste Newcomerin der Goldenen Blogger 2014 nominiert war, den ersten Platz in besagter Kategorie gewonnen. Herzlichen Glückwunsch, Püppi!

Mit großer Begeisterung und ein bisschen Wehmut habe ich die Maledivenreise von Christine Neder ende letzten Jahres verfolgt. Mein Herz schlug schneller, als ihre Erzählung und Fotos von Kuramathi auf meinem Bildschirm aufpoppten. Denn ich war auch schon zwei Mal dort. Und leider muss ich gestehen: Es waren die schönsten Urlaube meines Lebens. Damals bin ich das letzte Mal durch Sand gelaufen.
Als Christine dann ihre LeserInnen aufrief, ihre eigenen schönsten Urlaubsbilder mit ihr zu teilen, fühlte ich mich abrupt herausgefordert, ein ebenso paradiesisches Inselfoto, Qualität: Hochglanzmagazin, an sie zu senden. Ein Foto, mit dem ich alle neidisch machen könnte. Neidisch auf die von mir besuchten Traumstrände dieser Welt. Also entschied ich mich für ein Foto aus… Usedom.

Monatsentdeckung

Immer wieder und fortlaufend werden mir Blogempfehlungen, Artikel oder lustige Tweets in die Timeline gespült. Freunde empfehlen mir gute Serien und Bücher. Oder ich lande per Zufall in einer schönen Bar oder außergewöhnlichem Restaurant.
Meine Bloggerkollegin und Freundin Anastasia Umrik hat eine neue Rubrik in ihrem Blog. In Begegnungen stellt sie nach eigener Aussage schöne, schlaue, besondere, liebenswerte und interessante Menschen vor. Ich weiß nicht, wie sie da auf mich gekommen ist. Vielleicht liegt es an dem ‚liebenswert‘. Anastasia hatte mich damals gefragt, ob ich bei ihrem Fotoprojekt anderStark mitmachen möchte. Das wollte ich aber nicht, weil die Fotos nicht zu mir passten. Ich mochte die Art, wie sie mit meiner Direktheit und Ehrlichkeit umgegangen ist und sich meine Kritik angehört hat. Seither schätze ich Anastasia sehr. Es ist schön, sie in meinem Leben zu haben.

Monatssong

Es tut mir leid. Ich muss mich bei all jenen entschuldigen, die ich im Januar mit diesem Video genervt habe. Ich weiß auch, dass die Entschuldigung jetzt und sofort wieder hinfällig wird, da ich noch immer nicht aufhören kann, jedem dieses geile Video aufzuzwingen. Und der Song ist auch ganz nett.