Ausgeträumt – Gefesselt in Indien. Oder Kambodscha.

Gefesselt und geknebelt lag ich im Kofferraum eines Autos.
Es war dunkel und kalt und regnete in Strömen.
Die Straßen waren holprig und matschig.
Zwei große Hände packten mich und zerrten mich unsanft aus dem Auto.
Ich lag auf der Seite, die Hände immer noch auf dem Rücken zusammengebunden.
Feine, spitze Fasern eines Teppichs piksten sich bei jeder Bewegung mehr in meine Kleidung.
Ich hatte Schmerzen.
Die dünne Haut zwischen meinem Hüftknochen und dem rauen Teppich riss sich langsam auf.
Leises Rascheln und schnelles Atmen durchbrachen die gezwungene Stille im Raum.
Schweiß lief mir seitlich von der Schläfe in die Augen.
Ich kniff sie zusammen und drückte meine Stirn in den spitzen, harten Teppich.
Das Rascheln wurde lauter.
Das Atmen kam näher an mich heran und ich spürte, wie es aus vielen warmen Mündern unregelmäßig gegen meinen Körper pochte.
Kleine, dünne Finger berührten meine Füße und gleichzeitig meinen Bauch.
Ich hörte auf zu atmen.
Eine Hand berührte meinen Kopf und ich spürte, wie sich die kleinen, dünnen Finger neugierig durch meine Haare tasteten. So, als hätten sie noch nie vorher lange Haare angefasst.
Eine weitere Hand glitt meine Beine nach oben bis hin zu meinen auf dem Rücken verbundenen Händen.
Ich war frei und konnte mich mühsam aufrichten.
Meine Schulter schmerzte.
Ein mattes Licht ging an.
Viele dunkle Augen starrten auf mich.
Es waren Kinder.
Ich sah mich inmitten einer schwarzköpfigen Kinderschar sitzen.
Das matte Licht wurde von kleinen Lampen auf ein Dutzend Nähmaschinen geworfen.
Ich war wohl in Indien. Oder Kambodscha. Oder in einem dieser Länder, die auf den kleinen Schildern in meinen T-Shirts zu lesen waren.
Mir wurde eine Hose in die Hand gedrückt.
Ein kleiner Junge zeigte mir einen Knopf.
Schnell und geschickt nähte er mit seinen Fingern den Knopf an die Hose.
Ich tat es ihm gleich.
Nach fünf Versuchen gab ich auf und schmiss die Hose wütend über die Kinderköpfe hinweg.
Es machte mich sauer, dass es mit meinen großen Händen unmöglich schien, den Knopf an die Hose zu nähen.
Wieso sollte ausgerechnet ich hier aushelfen?
Ich hatte noch nicht einmal eine eigene Nähmaschine!
Ich fragte, ob jemand ein Handy hat und ob es hier Internet gibt.
Der Junge tippte sich mit seinem kleinen, schmalen Zeigefinger an die Stirn.
Weit hinten ragte ein kurzer Arm über den schwarzhaarigen Köpfen empor und zeigte mit einem Finger an die Wand.
Dort hing ein Telefon.
Ich krabbelte auf dem piksenden Teppich zwischen den Kindern hindurch zum Telefon, rief meine langjährige Freundin Angelina Jolie an und erzählte ihr von den vielen indischen oder kambodschanischen Kindern.

Ich träume oft und wild. Meistens erinnere ich mich an alle Träume, die ich in einer Nacht hatte. Das habe ich mir so angewöhnt. ,Ausgeträumt‘ soll eine Reihe von Träumen werden, die mich zum Nachdenken oder zum Lachen gebracht haben.

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Ein Gedanke zu „Ausgeträumt – Gefesselt in Indien. Oder Kambodscha.

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